Designströmungen in Köln

Der stärkste Trend, der sich auf der Messe zeigte, war die neue Kristallinität. Die Formensprache der Möbel ist durch kristalline Formen geprägt: streng, geometrisch – Möbel als Analogien zu Kristallen. Die neuen kristallinen Formen dominieren besonders den Bereich der Sitzmöbel. Darüber hinaus setzten sich die relevanten Tendenzen und Strömungen, die auf der Messe im letzten Jahr zu beobachten waren, zum Teil fort, teilweise intensivieren sie sich noch. Richtungsweisend für das Design sind, neben der Kristallinität, die folgenden Themen:

Medialisierung

Immer deutlicher zeigt sich die Tendenz, Möbel zu medialisieren.

Kommunikation und Medien beherrschen zunehmend unseren Alltag. Daraus entsteht die Idee, einzelne Produkte mit zusätzlichen Funktionen zu bereichern. Geschehen ist dies beispielsweise schon beim Handy: Es wird nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt, sondern mit Foto-, Video- und Audiofunktionen angereichert. Schon im letzten Jahr war zu beobachten, dass der Trend zur Medialisierung in der Möbelindustrie aufgenommen wird. Nun setzt er sich besonders im Küchenbereich fort. Der Fernseher wird in den Küchenschrank integriert, und aus dem Küchenmöbel wird ein Wohnzimmer-Sideboard für TV und Stereoanlage. Die Medialisierung wird sogar so weit getrieben, dass Kühlschränke Internet, einen CD-Player oder auch eine Wetterstation beherbergen.

Die Funktionen der einzelnen Produkte werden durch die Medialisierung vervielfältigt und erweitert, was zu einer immer stärkeren Raumöffnung führt: Die einzelnen Wohnbereiche lösen sich auf, sie verschmelzen miteinander. Wirtschaftlich gesehen wird damit versucht, neue Geschäftsfelder zu öffnen. Aufgrund der Internationalisierung und der Mobilisierung der Gesellschaft bringen die Hersteller Innovationen hervor, die den Gestaltungsbereich beeinflussen. Die Elektroinstallationen werden nicht mehr fest in der Wand verankert, sondern sie werden integraler Bestandteil des Küchensystems und ersparen so teure Eingriffe in die Gebäudearchitektur. Dunstabzugshauben werden in Nischen integriert, Türenelemente lassen sich nach Wunsch verschieben, der Bereich zwischen Arbeitsplatte und Unterschrank wird aufgebrochen. Die eigentlich geschlossene Fläche der Unterschränke öffnet sich durch ausziehbare Trays, die auf verdeckten Laufschienen gleiten und die direkt unter der Arbeitsplatte positioniert sind. Die Trays verwandeln sich durch einen Aufsatz aus Klarglas zu ausziehbaren Schaukästen. Der Verbraucher kann so selbst bestimmen, was er verbirgt und was er präsentiert. Damit entsteht im Küchenbereich ein spannender Dialog zwischen Offenem und Geschlossenem, zwischen Verbergen und Präsentieren.

Generell wird der Küche eine Bedeutung zugemessen, die über ihre eigentliche Funktion weit hinausreicht. Sie wird zum Wohnzentrum: Hier versammelt man sich mit Familie oder Freunden, hier kommuniziert, kocht und verbringt man ganze Abende. Auf diese Weise entsteht ein ganz neues Küchenbewusstsein. Durch optimierte Architektur, mediale Vernetzung und erweiterte Wohnfunktion wird die Küche zum kommunikativen Treffpunkt.

Auch das Schlafzimmer erfährt als Raum einen Wandel. Im Schlafzimmerbereich wird dem Bett eine neue Bedeutung zugemessen, denn die Intimsphäre des Zimmers relativiert sich mittlerweile. Das neue Schlafzimmer soll mehr sein: ein Ort der Entspannung, Leselounge, Musik-, Fernsehzimmer und Wellnessinsel.

Wellnessboom

Das tägliche Leben wird immer stressiger und aufreibender, das eigene Wohlbefinden im Gegenzug immer wichtiger. Darum richten immer mehr Menschen zum Ausgleich für den Alltagsstress in ihren privaten vier Wänden Wohlfühl-Oasen ein. Relaxt wird mittlerweile mit Niveau und überall. Wellness hält in allen Lebens- und Wohnbereichen Einzug – an Wellness kommt keiner vorbei. Wir werden vom Wellnessboom geradezu überrollt: Wellness ist nicht mehr länger nur der Trend zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden, sondern vielmehr ein starkes Marketinginstrument. Ohne Wellness, so scheint es, sind keine Innovationen mehr möglich.

Beim Licht verhält es sich ähnlich: Licht ist ein wichtiges, immaterielles Gestaltungsmerkmal und hat sich gleichsam zum Wellnesselement entwickelt. Mit dem Einzug der LED-Technik leuchtet mittlerweile einfach alles: ob Wände, Regale, Sitze, Schränke oder Tische.

Neue Klassiker

Die Tendenz, auf Klassiker zurückzugreifen, zeigte sich bereits in den letzten Jahren und resultiert aus unserer immer schnelllebigeren Zeit, in der die Zeit selbst zum kostbaren Gut wird. In einem Zeitalter, in dem uns jeden Tag neue Informationen überfluten, in dem wir ständig mit neuen Dingen und Erkenntnissen konfrontiert werden, sehnen wir uns nach Dingen, die Bestand haben, nach Bekanntem, nach Sicherheit und nach Orientierung. In den Klassikern, die die Zeit überdauern können, finden wir Bewährtes und eine solche Orientierung. Der Trend geht hin zum neuen Luxus: Der Verbraucher zeigt mehr Interesse an langlebigen, qualitativ hochwertigen Möbeln.

Aus wirtschaftlicher Sicht kann die Rückbesinnung auf Bekanntes allerdings auch als Spiegel einer möglichen Innovationsangst, mangelnder Ideen und fehlender Risikobereitschaft einer Branche gedeutet werden. Mit Klassikern setzt man zwar auf Sicherheit und Altbewährtes, bringt sich aber um wirkliche Innovationen.

Farben, Formen und Materialien 2005

Aus dem Bereich der Formen kommt der wohl spannendste Trend: Kristallin geformte und thronartige Sitzmöbel sind das Highlight auf der diesjährigen Messe. Materialien präsentieren sich in diesem Jahr mit charakterstarken Oberflächen: Strukturstoffe und behandeltes Leder liegen voll im Trend. Eine ganz deutliche Entwicklung zeichnet sich auch bei den Farben ab: Die wichtigste Farbe in diesem Jahr ist ein leuchtendes, warmes Grün.

Die folgenden Trendgalerien bieten Ihnen einen informativen Überblick und dokumentieren die internationalen Trends 2005 im Bereich der Farben, Formen und Materialien.

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