Gloria Moss, Forscherin der Glamorgan University Business School in Wales

19.08.2005

Webdesign: fehlt die weibliche Ästhetik?

Eine britische Studie hat ergeben, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf das Design von Internetauftritten reagieren. Demnach sei die Mehrheit der Websites "männlich" orientiert.

Wie in nahezu allen Bereichen spielt auch – und gerade im Internet – Design eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, sich von der Masse abzuheben und Zielgruppen anzusprechen. Das Internetangebot vergrößert sich alle zwei bis drei Monate um das Doppelte, daher ist es für Unternehmen wichtiger denn je, mit ihrer Webseite die Aufmerksamkeit des gesamten Zielmarktes auf sich zu ziehen.

 

Dabei scheinen die meisten Unternehmen ihren Internetauftritt nicht optimal zu nutzen, um ihre jeweiligen Zielgruppen anzusprechen, da sie nicht die unterschiedlichen visuellen Bedürfnisse von Männern und Frauen im Webdesign berücksichtigen. Das hat eine Studie der Glamorgan University Business School in Wales ergeben.

Wie die Studie belegt, weisen Webseiten ganz signifikante Unterschiede im Webdesign auf, je nachdem, ob sie von Männern oder Frauen gestaltet wurden. Männer favorisieren demnach gerade Linien und verwenden im Schriftbild und im Hintergrund wenig Farben, auch die Typographie ist eher formal. Die Studie zeigt außerdem, dass Männer und Frauen die Webseiten bevorzugen, die vom jeweils gleichen Geschlecht gestaltet wurden.

In der Studie wurden unter anderem 32 Internet-Auftritte britischer Universitäten untersucht. Das Ergebnis: obwohl die Zielgruppe der Hochschulen zu gleichen Teilen aus männlichen und weiblichen Besuchern besteht, sind 94 Prozent der Webseiten eindeutig unter maskulin-ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet. Nur zwei Prozent der Seiten wurden als eindeutig „weiblich orientiert“ eingestuft. Auch Webseiten aus Frankreich und Polen, die im Zuge der Studie untersucht wurden, weisen ähnliche Ergebnisse auf. Die Geschlechterunterschiede bei der Gestaltung von Webseiten sind demzufolge international.

In einer separaten Studie wurden Webseiten der Beautybranche untersucht, die ja eindeutig weibliche Zielgruppen haben. Aber auch hier fanden sich zum größten Teil Webdesigns, die einer männlichen Ästhetik entsprechen. Überraschende 78 Prozent der eigentlich weiblich orientierten Webseiten aus diesem Bereich waren von Männern entworfen worden.

Die Forscherin Gloria Moss ist sich sicher, dass Unternehmen auf die Ergebnisse der Studie reagieren müssen: „Das Fehlen einer weiblichen Web-Ästhetik auf den Beauty-Webseiten macht diese Seiten weniger optimal und effektiv, als sie sein könnten. Es ist nicht länger ausreichend vorauszusetzen, dass eine „effektive Webseite“ von allen Besuchern auf die gleiche Weise wahrgenommen wird.