24.11.2005
Stahl in Form – zwischen Luxus und Beständigkeit
Das hochkarätig besetzte Internationale Stahlforum Design, das unter dem Motto „Stahl in Form – Zwischen Luxus und Beständigkeit“ im Rahmen der Jahrestagung STAHL 2005 „Werte im Wandel“ am 10. November in Düsseldorf stattfand, war ein voller Erfolg.
Zehn international renommierte Designer aus Europa und den Vereinigten Staaten waren im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung des Stahlinstituts VDEh, der Wirtschaftsvereinigung Stahl und red dot eingeladen worden, über Luxus und Beständigkeit von Design-Lösungen mit dem Werkstoff Stahl zu referieren. 1.500 Teilnehmer hatten sich zum Internationalen Stahlforum Design angemeldet.
Moderiert von Elmar Schüller, Geschäftsführender Gesellschafter red dot design promotion, bot das Forum den zahlreich erschienenen Zuhörern eine spannende Vielfalt von Vorträgen über Luxus und Beständigkeit des Materiales Stahl in den Marktbereichen „Wohnen und Leben“, „Luxus und Lifestyle“ sowie „Auto und Mobilität“. Nach jedem Themenbereich hatte das Publikum zudem die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen, die dann in Diskussionsrunden auf der Bühne beantwortet wurden.
Nachdem das Stahlforum Design offiziell von Dr.-Ing. Karl-Ulrich Köhler, Vorsitzender des Vorstands Stahl-Informations-Zentrum, Düsseldorf, und Prof. Dr. Peter Zec, Präsident des Weltdesigndachverbandes ICSID, Montreal, eröffnet wurde, startete das Konferenzprogramm mit dem britischen Designer Julian Brown.
„Wohnen und Leben“
Der zum „Royal Designer for Industry“ gewählte Designer besitzt mit dem „Studio Brown“ in Bath sein eigenes Designstudio und hat mit innovativen Produkten für Alfi, Rexite und Zwilling J-A. Henckels einen internationalen Ruf erlangt. Julian Brown stellte ein Projekt vor, mit dem er sich bereits seit etwa vier Jahren beschäftigt, und das durch und durch für „Stahl in Form“ steht: den „Eternity Chair“ aus Edelstahl. In seinem Vortrag erzählte er die spannende Geschichte des Eternity Chairs. Er berichtete, wie der Anblick abgenutzter, alter Stühle aus Kunststoff ihn auf die Idee brachte, einen Stuhl zu erschaffen, der die Zeit überdauert und im Laufe der Zeit noch an Charakter gewinnt. Bereits damals, so Brown, sei ihm klar gewesen, dass für einen solchen „unkaputtbaren“ Stuhl nur ein Material in Frage käme: Edelstahl. In einer spannenden Zusammenfassung schilderte der Designer die dem Projekt zugrunde liegenden Gedanken und ließ das Publikum am Schaffensprozess des Eternity Chair“ teilhaben.
Ebenfalls als Experte für den Themenbereich „Wohnen und Leben“ war der Italiener Piero Lissoni eingeladen. Der Mailänder Designer, Gründer des Mailänder Büros Lissoni Associati, ist spezialisiert auf Innenarchitektur und Produktdesign und arbeitet seit vielen Jahren für Unternehmen wie Boffi, Capellini und Cassina. Für Lissoni, der sich selbst gleichzeitig als Designer und Architekt sieht, ist Stahl „eines der besten Materialien der Welt“. Er stellte beeindruckende Beispiele seiner eigenen Arbeiten mit Edelstahl vor. Dabei reichte die Bandbreite von Küchen über die Innenarchitektur von Luxushotels und Segelyachten bis hin zu Lampen und Uhren. Lissoni machte in seinem Vortrag deutlich, wie wichtig für ihn der sensible Umgang mit der Ästhetik der Materialien und der Umgebung, in die sie integriert werden, ist.
Miki Astori, der sich mit seinem eigenen Studio in Mailand auf Möbeldesign und Innenarchitektur spezialisiert und sich mit seinen Entwürfen für Driade einen internationalen Namen gemacht hat, erläuterte anhand von Beispielen seiner eigenen Arbeiten für Driade, welch große Bedeutung der Werkstoff Stahl heute für die Qualität von Möbeln und Interieurs hat. Für Astori, dessen Entwürfe klar, leicht und reduziert sind, ist das Material Stahl zu einem Leitmotiv, ja zu einer Inspirationsquelle für einen großen Teil seiner Objekte geworden. Gerade die Materialkombination aus Stahl und Glas, die seinem Bedürfnis nach Klarheit und Leichtigkeit der Struktur entspricht, sei für ihn besonders interessant, so Astori. Die Tatsache, dass - obwohl Stahl ein Hochleistungsmaterial sei - seine Herstellung eine traditionelle industrielle Verarbeitung beinhalte, gebe dem Werkstoff Stahl eine besondere Wertigkeit.
„Luxus und Lifestyle“
Weiter ging es mit dem Bereich „Luxus und Lifestyle“ und bereits zu Beginn erwartete das Publikum ein ganz besonderer Beitrag. Karim Rashid, einer der weltweit gefragtesten Designer und Shooting Star des Lifestyle-Designs, überraschte mit einem spektakulären Vortrag. Getreu seinem Motto „I want to change the world“, präsentierte Karim Rashid, der in New York ein eigenes Studio besitzt, anhand von Beispielen eigener Arbeiten, wie anders unsere Welt aussehen könnte und wie Design zu einer rigorosen Verschönerung unserer Umgebung und einer besseren Lebensqualität beitragen kann. Sein Wunsch sei es, dass die Menschen im Modus ihrer eigenen Zeit lebten, an der zeitgenössischen Welt teilnähmen und sich selbst von Nostalgie, antiquierten Traditionen, veralteten Ritualen und kitschiger Bedeutungslosigkeit befreiten. Wenn es der menschlichen Natur entspräche, in der Vergangenheit zu leben, dann bedeute die Welt zu ändern, die menschliche Natur zu ändern, so sein Fazit.
Auch Prof. Rido Busse, Inhaber und Beiratsvorsitzender von busse design ulm, begeisterte die Zuhörer mit einem eher ungewöhnlichen Vortrag. Busse, der 1977 die Negativauszeichnung „Plagiarius“ für besonders dreisten Ideenklau initiierte, widmete sich in seinem unterhaltsamen Beitrag dem Thema „Ästhetik – Lustfaktor im Design“. Beinahe 99 Prozent der Verbraucher, 90 Prozent der Unternehmer und sogar mindestens die Hälfte aller Designer definierten den Begriff „Design“ schlichtweg falsch, so Busse. Ähnlich verhalte es sich mit der Ästhetik, deren Begriff zum Synonym für „das Schöne“ verkommen sei. Und so erläuterte Busse an anschaulichen Beispielen in einer sehr humorvollen, kleinen Lifeperformance die vier grundlegenden Designkriterien „sichere technische Funktion“, „wirtschaftliche Fertigungsfunktion“, „selbsterklärende ergonomische Funktion“ und „zielgruppengerechte ästhetische Funktion“ und demonstrierte, dass Design ohne Ästhetik nicht denkbar ist und dass man sogar eine Lustskala zur Ästhetik aufstellen kann. Dass nur mit der Ästhetik – und zwar sowohl der positiven, als auch der negativen – motiviert wird, dürfte für viele Zuhörer eine überraschende Erkenntnis gewesen sein.
Nach diesem kleinen Exkurs konzentrierte sich die Aufmerksamkeit dann wieder ganz auf das Thema „Stahl in Form“. Der italienische Designer Ernesto Gismondi, Geschäftsführender Vorstand der Artemide Group, stellte den Werkstoff Stahl mit seinen hervorragenden ästhetischen und mechanischen Eigenschaften als langjährigen Partner in Artemide Qualitätsprojekten vor. Stahl, so Gismondi, sei sehr effizient, in einer großen Bandbreite von Produkten einsetzbar und erlaube gleichzeitig ein hohes Maß an Personalisierung, welche eine Besonderheit von Luxusprodukten italienischen Designs sei. Anhand der vorgestellten Artemide-Projekte demonstrierte Gismondi wie Stahl Artemide seit vielen Jahren begleitet. Heute gebe es die Tendenz, in ein Produkt mehrere Materialien zu integrieren, erklärte Gismondi und stellte als perfekte Synthese der Verwendung von Stahl, Silikon und Plastik die von Herzog & De Meuron gestaltete Lampe „Pipe“ vor.
„Auto und Mobilität“
Über die Verwendung von Stahl im Bereich „Auto und Mobilität“ referierte der italienische Designer Paolo Pininfarina, Präsident und CEO von Pininfarina Extra und Mitglied im Board of Directors von Pininfarina. Vom Lancia Aprilia Coupé über den Dino Berlinetta bis hin zum Ferrari Enzo lieferte Pininfarina die Technologie und das Know-How für Innovationen der Geschwindigkeit. Paolo Pininfarina warf in seinem Vortrag nicht nur einen spannenden Blick in die technischen Herausforderungen der Automobil- und Designentwicklung, sondern zeigte auch das große kreative Potenzial auf, das in der Gestaltung mit innovativen und gut formbaren Materialien wie Stahl liegt.
Patrick le Quément, Senior Vice President Corporate Design bei Renault und Mitglied des Vorstands, sprach als zweiter Experte zum Bereich „Auto und Mobilität“. Zu seinen größten Entwürfen zählen der Ford Sierra, der Renault Twingo und der Mégane II. In seinem Vortrag widmete sich le Quément besonders der Verbindung von Stil und Stahl. Stahl ermögliche eine ungeheure Vielfalt an Formen und ein Automobil trage Stahl praktisch in seinen Genen, erklärte Le Quément.
Johann Tomforde, der dritte Redner im Marktbereich „Auto und Mobilität“, ist seit 1998 Geschäftsführer des hymer idc Innovations- und Design-Centers in Pforzheim und entwickelt Freizeitfahrzeuge und Automobile. Seit dem Jahr 2000 ist er darüber hinaus als Unternehmens- und Management-Berater namhafter europäischer Firmen tätig. Tomforde stellte in seinem Vortrag „Authentizität und exklusiver Materialmix – Konzepte für ein mobiles Leben“ vor, wie sich aus dem „Crossover“ von Technik und Material, Erlebnis und Alltagskultur das Auto von einem technischen Produkt zu einem hochgradig emotionalen Objekt entwickelt.
Beschlossen wurde das Internationale Stahl Forum Design mit einem unterhaltsamen und informativen Vortrag von Hans-Dieter Futschik zum Thema "Stahl und Sinnlichkeit". Futschik ist als Design-Direktor der Daimler Chrysler AG für das Design der großen Baureihen der Marken Mercedes-Benz und Maybach verantwortlich. Unter seiner Leitung entwickelte sein internationales Team bereits zahlreiche sehr erfolgreiche Modellreihen wie etwa die alte und die neue S-Klasse, den CLS oder den Maybach. Autos würden auch aus Stahl produziert, weil sie dadurch sinnliche Formen erhielten, erklärte Futschik. In seinem Vortrag erläuterte er, warum uns die Formen eines Autos sinnlich ansprechen und was die Mechanismen für dieses Phänomen sind. Anschaulich demonstrierte Futschik, welche Sinne hier zum Einsatz kommen und mit welchen Mitteln Designer arbeiten, um unsere Sinne zu bewegen und erfolgreiche Marken zu gestalten.



















