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05/01 2006:
FIDIUS – im Kampf für faire Designwettbewerbe
Designer aller Fachbereiche machen in der Berufspraxis zunehmend die Erfahrung, dass ihre schöpferischen Leistungen von Verwertern zu schlechten Konditionen als Ideenquelle ausgenutzt werden. Ein beliebtes Mittel, um in den Genuss möglichst kostengünstiger und umfassender Verwertungsrechte zu gelangen, bilden Designwettbewerbe, deren Bedingungen einseitig begünstigend für den jeweiligen Veranstalter ausgestaltet werden. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage sehen sich Kreative häufig dazu veranlasst, selbst offensichtlich nachteilige Bedingungen „sehenden Auges“ zu akzeptieren.
Damit häufen sich auch in der Praxis von Rechtsanwälten Streitigkeiten, die in Designwettbewerben verwurzelt sind. Erstaunlich ist, dass auch bekannte Traditionsunternehmen Präsentationen von Designern als Selbstbedienungsladen betrachten: gezahlt wird für die eingereichten Entwürfe nur eine Werkhonorar, mit dem Argument, man habe sich gegen die Nutzung entschieden. Später muss der Designer dann feststellen, dass sein Entwurf sehr wohl verwertet wird, wenn auch mit geringfügigen Änderungen.
Mehrere Rechtsanwälte und Designschaffende haben nun beschlossen, diesen Ausbeutungen endlich ein Ende zu setzen. Der sich in Gründung befindliche Verein FIDIUS – Faire Design-wettbewerbe, hat sich zur Zielsetzung gemacht, dass zukünftig faire Wettbewerbs-bedingungen herrschen und auch konsequent praktiziert werden. Denn es reicht nicht aus die Streitigkeiten mit Verschwiegenheits-verpflichtung außergerichtlich beizulegen. Zahlreiche Betroffene finden gar nicht den Mut, ihre Forderungen überhaupt geltend zu machen, viele scheuen auch das finanzielle Risiko. Die Dunkelziffer ist entsprechend hoch, und nur eine breite Öffentlichkeitsarbeit kann dauerhaft zum Umdenken bewegen und Abhilfe verschaffen. Genau dieser Aufgabe hat sich FIDIUS verschrieben. Der Name hat Symbolcharakter: „Fidius“ war ein römischer Treue- und Schwurgott. Er war zuständig für Vertragsgestaltungen, lobte die Treue und rächte die Untreue. FIDIUS ist nicht nur Vereinsname, sondern Programm. FIDIUS wird jährlich einen Positivpreis und einen Negativpreis vergeben, jeweils vorgesehen für einen fairen und einen unfairen Designwettbewerb in den Designbereichen - Produktdesign - Mode- und Textildesign - Fotodesign - Kommunikationsdesign
Die Preisverleihung erfolgt in jeder Kategorie durch eine separate Jury, die sich wiederum jeweils aus einem anwaltlichen Berater und mindestens einem Designer zusammensetzt.
„Es muss endlich wieder ein faires Miteinander von Kreativen und Verwertern geben. Ich war es kurz vor der Entstehung von FIDIUS einfach leid, zu beobachten, wie sehr Designer sich mittlerweile von Produzenten unter Druck setzen lassen und nicht den Mut finden, sich gegen die Selbstbedienung an ihren kreativen Leistungen zur Wehr zu setzen“, so Sabine Zentek, Mitglied der FIDIUS Jury. „Gutes Design darf nicht zu einem Discountartikel werden, und daran haben letztlich auch seriöse Verwerter ein Interesse, die durch Design-Grabber spürbare Wettbewerbsnachteile erfahren, so Sabine Zentek weiter.
FIDIUS beginnt seine Tätigkeit bereits 2006. Designer werden aufgefordert, dem Verein bis zum 30. Juli 2006 Beispiele für einen unfairen und/oder besonders fairen Designwettbewerb zu nennen und dazu die jeweiligen Ausschreibungsunterlagen zu übermitteln. In Betracht kommen auch Ausschreibungsunterlagen, die eine Auftragsvergabe zum Gegenstand haben und nach dem entsprechenden Designer suchen, der den Auftrag ausführen soll. Für die erste anstehende Jurierung können Wettbewerbsbeispiele benannt werden, die aus dem Zeitraum 2000 bis 2005 stammen.
Weitere Auskünfte erteilt Sabine Zentek unter Sabine Zentek(at)t-online.de
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