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16/05 2006:
Spektakuläre Skulptur aus Glas und Aluminium: Das neue Mercedes-Benz Museum
Eng war der Zeitrahmen, hoch gesteckt das Ziel: Für das neue Mercedes-Benz Museum vor den Toren des Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim beschritten außergewöhnliche Planer in interdisziplinärer Zusammenarbeit neue Wege. Stolze 150 Millionen Euro investierte Mercedes-Benz in den spektakulären Neubau, der am 19. Mai 2006 eröffnet wird.
Mehr als 100. 000 Tonnen Beton sind im neuen Mercedes-Benz Museum verbaut, das auf 4. 800 Quadratmeter Grundfläche eine Höhe von 47,5 Meter erreicht und damit einen umbauten Raum von 210. 000 Kubikmeter einschließt. Ganz ohne Stützen spannen sich 33 Meter weite Decken, die das Gewicht von zehn Lastwagen zu tragen imstande sind. Es gibt weder geschlossene Räume noch rechte Winkel. Alle Wände und Decken, Rampen und Stützen sind gewölbt oder in sich gedreht und gehen in sanften, fließenden Formen ineinander über.
Es ist nicht einmal möglich, streng zwischen horizontalen und vertikalen Flächen zu trennen: Die sogenannten Twists, zweifach gekrümmte Bauteile, sind die spektakulärste Innovation des Gebäudes. Sie wachsen als senkrechte Wand aus den Aufzugskernen heraus und schrauben sich dann, an den nächsten Kern angelehnt, in leichtem Bogen nach außen. Hinter den lichten Fensterbändern der Fassade nehmen sie schließlich eine flache Treppe auf, die den einen Sammlungsraum mit dem nächsten verbindet. Die Hülle des Museums besteht aus Materialien, die auch im Automobilbau Verwendung finden: Aluminium und Glas.
An der endgültigen Gestalt des Museums haben zwei Büros entscheidenden Anteil: HG Merz entwickelte in enger Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler die Konzeption von der Ausschreibung bis hin zur detaillierten Planung der Museumspräsentation. Das UN studio von Ben van Berkel und Caroline Bos gab dem Gebäude seine Gestalt und seine innovative innere Organisation. Den Entwurfsprozess für das neue Mercedes-Benz Museum vergleicht Ben van Berkel mit der Konstruktion eines Automobils: „Konzeptionelles Leitmotiv war die Entwicklung eines Gebäudes analog der Entwicklung eines Autos: Integration vieler Fachdisziplinen, Verschmelzung von technischen und ästhetischen Anforderungen, konsequente Einhaltung der Rahmenbedingungen bei gleichzeitiger Umsetzung innovativer Ansätze.“ Schon der Wettbewerbsentwurf bediente sich neuester, dreidimensionaler Entwurfsprogramme, wie sie erst seit kurzem zur Verfügung stehen. Ohne diese Software hätte sich die hochgradig komplexe geometrische Form des Gebäudes niemals realisieren lassen. Um den ausführenden Unternehmen exakte Angaben zu liefern, enthielt der Werkplan für die gekrümmten Bauteile millimetergenaue Koordinaten einzelner Punkte in der X-, Y- und Z-Achse, bezogen auf einen Nullpunkt am Grund des Atriums.
Auf einem sechs Meter hohen Plateau erhebt sich der Bau, der auf dem Prinzip geometrischer Unendlichkeit gründet: Drei endlos in sich selbst geschlungene Schlaufen bilden die Form eines dreiblättrigen Kleeblatts. Projiziert ins Dreidimensionale, entstand eine sich in die Höhe windende Doppelhelix, die dem Besucher zwei verschiedene Wege durch das Museum ermöglicht: Während der chronologische Rundgang durch die sogenannten „Mythosräume“ auf einer langen, stufenlosen Rampe durch die Epochen der Automobilgeschichte führt, sind die Sammlungsräume durch eine zweite Spirale über schmalere Treppen an der Außenseite des Gebäudes miteinander verbunden. Auf jeder Ebene gibt es Querverbindungen, die dem Besucher erlauben, zwischen den Sphären „Mythos“ und „Collection“ zu wechseln.
Ihren Höhepunkt und eine letzte Beschleunigung erfährt die Zeitreise im letzten Mythosraum, der beide Rundgänge abschließt und in die Gegenwart zurückführt. 34 Rennfahrzeuge von 1900 bis heute machen dort den Mythos Mercedes in Reinkultur erlebbar. Die rund 120 Meter lange Steilkurve, in der sich dem Betrachter die legendären Hochleistungsfahrzeuge präsentieren, greift die komplexe Geometrie des Gebäudes auf und erinnert zugleich an traditionsreiche Rennstrecken. Am Ende geht die Steilkurve in ein senkrechtes Rund über, wo dem Betrachter sieben Rekordfahrzeuge präsentiert werden. Ergänzt wird die Ausstellung von der „Faszination Technik“, die einen Blick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter ermöglicht und ihn gleichzeitig weiterlenkt in Richtung Zukunft des Automobils.
Das detaillierte Bild der Marke Mercedes-Benz setzt sich aus mehr als 1. 450 Exponaten zusammen, 160 davon sind Fahrzeuge. Bis Ende Dezember wird mit 720. 000 Besuchern kalkuliert, ab 2007 sollen es eine Million pro Jahr sein.
Weitere Informationen finden Sie auf: http://www.museum-mercedes-benz.com
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