Roland Lambrette und Stefan Weil

08.12.2006

Atelier Markgraph nominiert für den red dot: grand prix

Die spektakuläre Medieninstallation „KUNST|RAD“ überzeugte die Experten der diesjährigen Jury des red dot award: communication design. Für ihre herausragende Leistung zeichneten sie die Designer Roland Lambrette und Stefan Weil mit dem red dot: best of the best aus und nominierten sie für die Ehrenauszeichnung mit dem red dot: grand prix. In einem Interview sprachen wir mit den beiden Designern über ihre Auszeichnung und die wirtschaftliche Bedeutung von Design.

 

Die Aufgabe, die sich Roland Lambrette und Stefan Weil stellte, war keine einfache: nicht weniger als ein Wahrzeichen für das Thema des Museumsuferfestes Frankfurt 2005 (Die Welt der Kultur | Die Kultur der Welt) wurde gefordert. Zudem sollte das öffentliche Bewusstsein für die Vielfalt und internationale Bedeutung der kulturellen Schätze der Rhein-Main-Region gestärkt werden. Diese komplexe Aufgabe haben Roland Lambrette und Stefan Weil mit Bravour gelöst. Das Ergebnis ist eine intelligente Verknüpfung von moderner Medieninstallation mit klassischem Fahrgeschäft: ein Riesenrad, 40 Meter hoch, bespannt mit 450 Quadratmetern Leinwand, drehte sich ab Anbruch der Dunkelheit vor der Kulisse der nächtlichen Frankfurter Skyline. Auf die überdimensionale Leinwand wurden aus 200 Metern Entfernung immer neue Animationen projiziert. Auf diese Weise erzählte das Rad von insgesamt 100 Meisterwerken aus sechzehn Museen und lud zu einer Fahrt durch Epochen, Stile, Farben und Formen ein. Jede der sechzehn Gondeln informierte den Fahrgast über eines der sechzehn Museen. Ein grafischer Globus machte das Riesenrad zur Weltkugel und symbolisierte das Festmotto „Kultur der Welt, Welt der Kultur“. Das im nächtlichen Himmel leuchtende KUNST|RAD wurde zum Publikumserfolg und zum Symbol für das Museumsuferfest 2005.

Roland Lambrette, Stefan Weil, was bedeutet eine Auszeichnung mit dem red dot: best of the best und die Nominierung für den red dot: grand prix für Sie?

Roland Lambrette: Wir freuen uns natürlich – schließlich zählt der red dot: best of the best zu den höchsten Designpreisen, die in diesem Land vergeben werden. Dass gerade ein kleines Kulturprojekt wie das KUNST|RAD in diesem Kontext überzeugen konnte, macht uns stolz. Vor allem, weil das Projekt von Anfang an keine klassische Auftragsarbeit war: Bei minimalem Budget hatten wir die maximale kreative Freiheit. So konnte ohne Umwege aus einer einfachen Grundidee ein mutiges, in sich stimmiges Werk heranwachsen, das das Publikum verzauberte. Den red dot: best of the best und die Nominierung für den red dot: grand prix sehen wir insofern nicht nur als Würdigung unserer Designleistung, sondern auch als Auszeichnung der kreativen Prozesse auf dem Weg dorthin.

Stefan Weil: Eine weitere Bestätigung unserer Arbeit und der Denkweise, die unsere Projekte prägt. Freude und Stolz, dass wir derlei Projekte immer wieder auf dem Tisch haben und zusammen mit sehr guten Leuten vollbringen dürfen. Eine Auszeichnung dieser Güte würdigt den Spirit, der ebensolchen Projekten innewohnt.

 

Welche Pläne haben Sie als Designer für die Zukunft?

Roland Lambrette: Was uns zunehmend interessiert, ist der Einfluss von Gestaltung auf die Gesellschaft. Wie sich gezeigt hat, kann Kommunikation im Raum – hier im öffentlichen Raum wie das KUNST|RAD oder im großen Maßstab die Bespielung der Frankfurter Skyline zur Fußball-WM in Deutschland – einen großen Beitrag leisten für die Beziehung zwischen den Bürgern und ihrer Stadt. Wenn das Alltägliche – wie eben die Hochhauskulisse, in der man sich als Frankfurter jeden Tag bewegt und die in den Medien zum Icon für Frankfurt geworden ist – sich mit neuen Inhalten und Geschichten verbindet, dann kann sich die Wahrnehmung der Stadt plötzlich verändern. Ganz viele Frankfurter waren im Sommer zum ersten Mal seit langem wieder stolz auf ihre Stadt. Dadurch, dass sie Frankfurt während der drei Veranstaltungsabende anders erlebt haben, hat sich die Stadtmarke von innen heraus geändert. Darin liegt aus unserer Sicht die große Chance von Kommunikation im Raum im Unterschied zu den "behaupteten Botschaften" von beispielsweise Print oder TV: dass Marken in einem definierten, gestalteten Raum im Spiegel der Menschen erlebbar werden. Das trifft auf Stadtmarken ebenso zu wie auf klassische Brands wie zum Beispiel Automobil- oder Modemarken.

Stefan Weil: Meine Pläne als Designer: neugierig bleiben und weiterhin der Einzigartigkeit verpflichtet sein. Menschen treffen, die dies fordern und fördern. Menschen treffen, die mich/uns überraschen durch Sichtweisen, die originär sind. Menschen, Marken und Märkte selbst mit Projekten überraschen.

 

Worin liegen Ihrer Meinung nach die besonderen Herausforderungen, die sich in der heutigen Zeit dem Designer stellen?

Roland Lambrette: Die große Herausforderung liegt in der kritischen Analyse der Aufgabenstellung und dem Einsatz der Mittel. In unserer Disziplin sind die technischen und medialen Möglichkeiten nahezu inflationär. Das macht Kommunikation nicht einfacher, sondern schwieriger. Zum einen sind wir im Alltag einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt: Täglich prasseln an die 5.000 Werbebotschaften auf uns ein, 60.000 Marken tummeln sich allein auf dem deutschen Markt. Jede kämpft um Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Zum anderen verführt die Fülle des Machbaren dazu, zu viel anzubieten. Wir sind überzeugt davon, dass Kommunikation im Raum – entsprechend gestaltet – dieses Problem lösen kann. Auch weil sie die Fähigkeit hat, Unnötiges auszublenden und Aufmerksamkeit zu fokussieren.

Stefan Weil: Immer wieder die Schnittmenge an gestalterischen "Gewerken": Grafik, Objekt, Architektur, Mode, Motion. Und die neuen Ausdrucksformen und Funktionen, die fortwährend aus diesem Schmelztiegel entstehen. Darüber hinaus: Design als weit gefasstes demokratisches Prinzip. In Zeiten, in denen selbst H&M und Ikea auf Originalität und eigene Designlinien setzen, entstehen spannende neue Plattformen für das persönliche und strukturelle Schaffen.

Haben Sie Designvorbilder?

Stefan Weil: Pioniere der Ganzheitlichkeit wie Charles und Ray Eames oder auch ein Peter Behrens. Und auch die Kreativdirektoren in der Modeindustrie. Weil diese als Gestalter das Gesamtbild formen und prägen und Traditionsunternehmen neuen Glanz geben. Hedi Slimane für Christian Dior und natürlich Tom Ford, dessen prägender Einfluss die Renaissance von Gucci bedeutete und sein Selbst zu einer Marke hat reifen lassen.

Wie hoch ist Ihrer Ansicht nach die wirtschaftliche Bedeutung von Design?

Stefan Weil: Enorm. Design und die Gestalt der Produkte und deren konzeptionell und formal kompatibles Umfeld (Packaging, Store, Trade, Werbung, Happening, etc.) bedeutet Differenzierung. Emanzipation aus der Generik.

Über Roland Lambrette und Stefan Weil

Roland Lambrette, 1951 in Frankfurt/Main geboren, studierte Pädagogik und beschäftigte sich früh mit der Kommunikation im Raum. 1984 gründete er zusammen mit Rolf Engel und Meinhard Hutschenreuther das Atelier Markgraph, das in der Gestaltung von Ausstellungen, Medieninszenierungen und Corporate Architecture tätig ist. Roland Lambrette erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen, u.a. den D&AD Black Pencil. Er lehrt an der Hochschule für Künste in Bremen.

Stefan Weil, 1963 in Bad Homburg geboren, begann 1989 als Grafiker bei Meiré und Meiré. Anschließend arbeitete er als Creative Director u.a. bei Leo Burnett Frankfurt sowie J. Walter Thompson, wo er die Bereiche „Live Communication“ und „Branddesign“ mit aufbaute. Nachdem er von 1999 bis 2001 ein Projekt für die Weltausstellung in Hannover bei Markgraph als Creative Director geleitet hatte, kehrte er 2003 mit einem erweiterten Aufgabenfeld zurück. Seit 2005 ist Stefan Weil Mitglied der Geschäftsführung, seine Arbeiten wurden mehrfach in internationalen Wettbewerben ausgezeichnet.