Michael Streicher, Prof. Andrea Lipp und Achim Burmeister

Interview mit Michael Streicher, Prof. Andrea Lipp und Achim Burmeister

Designer der NEOPLAN Bus GmbH

Design BTD, Stuttgart

Was hat Sie zu diesem besonderen Produkt inspiriert und welche Intention steckt dahinter?

Andrea Lipp: Ein neues Premium-Produkt gestalten zu dürfen, ist für jeden Designer ein Fest – gleichzeitig setzte hier das Vorgängermodell schon so hohe Maßstäbe, dass wir Designer uns einer sehr hohen Erwartungshaltung gegenüber sahen. Klar war für uns, dass er ein typischer Neoplan werden musste, mit seinen traditionellen Elementen und mit seiner außergewöhnlichen Erscheinung. Dabei ging es darum, markentypische Stil-Merkmale aufzugreifen und ihnen durch innovative Ideen eine neue Interpretation zu geben.

Der gestalterische Ansatz im Interieur war vor allem geprägt durch das Bestreben, den in einem Bus eng vorgegebenen Raum optisch und fühlbar zu erweitern, um für den Fahrgast das Reisen zum Erlebnis und Vergnügen werden zu lassen. Dabei finden sich vielfältige Inspirationen bei den ersten Reisebussen der 50er und 60er Jahre, die mit ihren Panoramascheiben und scheinbar schwebenden Gepäckablagen dieses offene, leichte Interieur haben, wie wir es heute anstreben.

Achim Burmeister: Der Cityliner ist seit 30 Jahren fester Bestandteil im oberen Segment der NEOPLAN-Busfamilie. Im Zuge der Erneuerung dieses Modells wurden verstärkt Synergieeffekte mit Baukästen andererer Baureihen genutzt. Dies galt es in ein eigenständiges Erscheinungsbild und die richtige Positionierung in der eigenen Produktfamilie, mit Blick auf den Wettbewerb, umzusetzen.

Schlagworte Exterior: dynamisch, hochwertig

Schlagworte Interior: hell, leicht, moderne Wohnlichkeit

Michael Streicher: Es gibt häufig Inspirationen aus Bereichen wie Architektur, Mode, Kunst, Natur usw.. Ich versuche meine Entwürfe semantisch zu hinterlegen; NEOPLAN Busse müssen traditionell markant, dynamisch und innovativ sein. Unsere Busse haben einen unverwechselbaren Charakter und deshalb einen hohen Wiedererkennungswert.

Was bedeutet eine Auszeichnung mit dem red dot: best of the best für Sie?

Andrea Lipp: Ein Designpreis ist immer eine Bestätigung der besonderen Art – bedeutet sie doch ein Kompliment der Fachkollegen für das hohe designästhetische Niveau der eigenen Arbeit. Dabei zu den "best of the best" zu gehören, macht mich besonders stolz und spornt natürlich an, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. 

Achim Burmeister: Da der red dot zu den begehrtesten Auszeichnungen der deutschen Designwelt gehört, freuen wir uns natürlich sehr mit dem Produkt „Reisebus“, dessen Entwicklungsbudget und Entwicklungszeit im Verhältnis zu seiner Grösse und Komplexität sehr überschaubar sind, eine derartige Anerkennung zu bekommen. Die Auszeichnung ist eine Bestätigung für die Entwicklungsmannschaft und ein Verkaufsargument für Marketing und Vertrieb.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die besonderen Herausforderungen, die sich in der heutigen Zeit dem Designer stellen?

Andrea Lipp: Aus meiner Sicht stellt in der heutigen Zeit die Globalisierung eine der besonderen Herausforderungen für den Designer dar, ist es doch wichtig, auf globalen Märkten zu bestehen und gleichzeitig auf lokale und individuelle Werte einzugehen, diese zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erleben wir einen Trend zu immer feiner segmentierten Kundengruppen, so dass der Designer heute ein besonders hohes Maß an marktanalytischer Kompetenz und kultureller Sensibilität braucht.

Achim Burmeister: Bei komplexen Produkten, die in niedrigen Stückzahlen produziert werden und sich klassisch erst zweitrangig über Design definieren, lässt sich eine ganzheitliche Gestaltung nur mit viel Geduld durchsetzen.

Beim Werksdesign liegt die Herausforderung darin trotz der sich wiederholenden Tätigkeiten nicht zu sehr in Routine zu verfallen. In ein schlüssiges Produktportfolio Entwicklungen einfliessen zu lassen und dabei Tradition und Zielgruppe im Auge zu behalten.

Was möchten Sie als Designer in der Zukunft noch gerne erreichen?

Andrea Lipp: In meiner jetzigen Tätigkeit in der Designausbildung möchte ich dazu beitragen, dass  junge begabte Designstudenten es schaffen, den Blick auf das Wesentliche zu lenken ohne das Globale aus den Augen zu verlieren, dass sie wirklich sehen lernen und die Dinge in ihrer Gesamtheit und Wechselwirkung mit ihrer Umwelt erfassen.

Mein Ziel im Fahrzeugdesign ist ein Umdenken im konzeptionellen Ansatz, nämlich die Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte ganzheitlich zu betrachten. Dies schließt mit ein, dass ein neues Konzept auch einmal im Interieur begonnen werden kann, bevor man das Exterieur beginnt, wenn dies sinnvoll ist.

Achim Burmeister: Neben dem alltäglichen Wahnsinn Zeit und Motivation für losgelöste Projekte aufzubringen.

Wie hoch ist Ihrer Ansicht nach die wirtschaftliche Bedeutung von Design?

Andrea Lipp: Ich denke, die wirtschaftliche Bedeutung von Design steigt ständig, da durch die Globalisierung und die damit verbundene technische Angleichung der Wettbewerber das Design ein wichtiges Mittel ist, emotionale Werte zu schaffen, damit Kundengruppen gezielt anzusprechen und Kundenidentifikation zu erzeugen.

Michael Streicher: Bei Neoplan hat das Design schon seit jeher einen grossen Stellenwert. Design ist aber eine nicht messbare Einheit und beruht zu einem grossen Teil auf Subjektivität. Wenn ich zwei von der Funktion und Preis vergleichbare Produkte habe, entscheide ich mich doch natürlich für das attraktivere.