
- Tom Postma




Die besten Designer des red dot design award 2007 im Interview: Tom Postma
Für die innovative Ausstellungsarchitektur der Ausstellung „Myths: Jewels Today – Seen by Stefan Hemmerle“ zeichnete die Expertenjury des red dot award: product design 2007 den Designer und Architekten Tom Postma mit dem red dot: best of the best aus. Uns verriet er in einem Interview, was ihn zu seiner Rauminstallation inspiriert hat.
Herr Postma, was inspirierte Sie, dieses besondere Rauminstallation zu kreieren, und welche Intention steckte dahinter?
Das Design der Ausstellung musste die radikale Einfachheit und die technische Perfektion der Schmuckobjekte des Designers Stefan Hemmerle reflektieren. Die Neue Sammlung, die für diese Ausstellung in der Pinakothek der Moderne verantwortlich war, bot die ideale Möglichkeit zur Schaffung einer kompromisslosen Darstellung.
Ich habe versucht, einen Standort für eine völlige Neuinterpretation des Schmuckdesigns zu kreieren, in Form einer dunklen, konzeptuellen und strikt minimalistischen dreidimensionalen Installation.
Der Entwurf hüllte die winzigen, kostbaren Ausstellungsstücke in eine ihnen entsprechende Aura und schuf so nicht nur ein Umfeld für sie, eine spirituelle Bühne, sondern er verstärkte auch die Wahrnehmung und das Erleben des Raums für die Besucher.
Was bedeutet es für Sie, mit „red dot: best of the best“ ausgezeichnet zu werden?
Ich halte diesen Preis für repräsentativ im Hinblick auf die professionelle Anerkennung durch meine Kollegen. Da man als Designer zu einem gewissen Grad allein arbeitet, ist es immer interessant zu sehen, dass das eigene Design ins allgemeine Bild passt und den vorherrschenden Zeitgeist reflektiert.
Mit welchen speziellen Herausforderungen werden Designer Ihrer Meinung nach heutzutage konfrontiert?
Kreativität wird ständig gefordert. Aber alles um uns herum wird zunehmend bewusster gestaltet, so dass ein Designer sich stärker auf das Material, also auf das Wesentliche, konzentrieren muss, um aus der Masse herauszuragen.
Was möchten Sie als Designer in der Zukunft noch erreichen?
Ich möchte das fortsetzen, was ich bisher gemacht habe: das Design für Museen, Ausstellungen und Edelläden sowie neue architektonische Konzepte für Kunstmessen entwerfen.
Welche wirtschaftliche Bedeutung kommt dem Design Ihrer Ansicht nach zu?
Es ist wichtig, dass insbesondere der Kunde die Tragweite des Mehrwerts erkennt, den das Design sowohl direkt als auch indirekt leistet, und zwar im Hinblick auf alles, was konstruiert und produziert wird.
Standort für eine Neuinterpretation des Schmuckdesigns
In einer Installation zeigt Die Neue Sammlung in München eine Auswahl der Arbeiten des Münchner Juweliers und Goldschmied Stefan Hemmerle. Als einen Ort für eine Neuinterpretation des Juwelendesigns entwickelte der holländische Architekt Tom Postma dafür eine konzeptionelle, streng minimalistische, dunkle Rauminstallation. Diese ist als Aura, Rahmen und spirituelle Bühne für die sehr wertvollen, kleinen Exponate konzipiert und ermöglicht gleichzeitig eine aktive Raum- und Sensibilitätserfahrung für den Besucher. Doppelt bespannte Wände werden zur poetischen Spielfläche für raffinierte Lichtbrechungen und bewegte Reflexionen. In die Doppelbespannung verlegt der Architekt durch Pneumatik leicht wogende Wasserflächen. Wie im Mondschein werfen sie über Reflexfolien Lichtschimmer auf die dunkle Raumhülle. Die gesamte Black Box mit den Maßen von 10 x 10 Metern schwebt scheinbar schwerelos in 90 cm Höhe in dem 20 x 20 Meter großen Raum; Rampen führen den Besucher in diese geheimnisvolle Inszenierung. Im Inneren der Box wachsen acht Vitrinen aus dem Boden, acht kommen ihnen wie Stalaktiten von der Decke aus entgegen. Die Panzerglasgebilde stellen die einzigen direkten Lichtquellen in der Gesamtinszenierung. Interaktiv nehmen Kameras die Blicke der Besucher von den Rückwänden der Vitrinen aus auf und projizieren sie auf das Exterieur des Ausstellungsraums. Die Architektur der Ausstellung „Mythen: Jewels Today“ erzeugt ein Gefühl von Modernität, in der die Schmuckstücke über Lichtstimmungen aktiv in den Dialog mit dem Besucher treten. Sie interpretiert das Thema Juwelen auf eine sehr inspirierte und poetische Art und Weise.





