Die besten Designer des red dot design award 2007 im Interview: Wijtse Rodenburg
Büro- und Heimarbeitsplätze nähern sich heute immer weiter an. Das vom niederländischen Designer Wijtse Rodenburg entworfene Tischsystem „Ahrend 800“ geht auf diese Entwicklung ein und wurde für sein innovatives Design im diesjährigen red dot award: product design mit dem red dot: best of the best ausgezeichnet. Im Interview mit red dot online erläuterte Wijtse Rodenburg das Tischsystem und sprach mit uns über die Herausforderungen, die sich dem Designer im Zeitalter der Globalisierung stellen.
Herr Rodenburg, die Grundlage von Ahrend 800 ist ein vierbeiniger Tisch aus Edelstahl, der auch mit geschlossenen Seitenteilen und schmalen Schubladenschränken ausgeführt werden kann. Schubladenfronten und dekorative Elemente in den Beinen aus Edelstahl oder Glaslook-Acrylat können mit verschiedenen Arbeitsplatten kombiniert werden. Was hat Sie zu diesem besonderen Produkt inspiriert und welche Intention steckt dahinter?
Wir haben festgestellt, dass das Arbeiten in Büros zunehmend von der Wohnungseinrichtung beeinflusst wird. Auf der anderen Seite arbeiten die Menschen zu Hause immer häufiger an Computern. Dieser Trend war der Ansatzpunkt für das Konzept des „Ahrend 800“. Ich wollte ein Tisch- und Schreibtischsystem für die professionelle Büroarbeit entwickeln, das aber ebenso gut in ein Wohn- oder Arbeitszimmer passt. Daher war das Ausgangsmaterial Edelstahl, ein nicht ganz alltägliches Material für Büromöbel, eher gebräuchlich für den Wohnbereich. Kombiniert mit besonderen Hölzern und Glas für die Oberflächen, passt es wunderbar sowohl ins Büro als auch in den Wohnraum. Für die Glasoberflächen habe ich eine besonders funktionale Version gestaltet: durch Millionen kleiner Kratzer entsteht eine matte Textur, auf der wirkliche Schrammen verschwinden. Die andere Variante ist die einer modularen Dekoration, entstanden aus Illustrationen aus meinem persönlichen und beruflichen Kontext. Wenn man einen farbigen Boden hinzufügt, bekommt die Glasplatte eine aufregende Tiefe. Die integrierten, extra-schlanken Sockel bieten eine ausreichende Menge an Stauraum und reflektieren die Minimalisierung der heutigen Technologie.
Was bedeutet eine Auszeichnung mit dem red dot: best of the best für Sie?Ich fühle mich geehrt und glücklich, dass meine Intention hinter diesem neuen Produkt für Ahrend von den Designerkollegen in der Jury verstanden und anerkannt wurde.
Worin liegen Ihrer Meinung nach die besonderen Herausforderungen, die sich in der heutigen Zeit dem Designer stellen?
Wir sehen uns heute mit einer vielschichtigen Welt konfrontiert. Es scheint, dass alles möglich ist, und das Mögliche sollte auch getan werden. Aber es ist schwierig, ein neues Gleichgewicht zwischen dem Exzess, dem Überangebot des Marktes, den Umweltfragen, der Globalisierung aller menschlichen Aspekte, der Lücke zwischen Arm und Reich und so weiter, zu finden. Auf der anderen Seite beschert das den Designern die Chance, neue Möglichkeiten zu entdecken. Das wichtigste Ziel der Menschen ist es, glücklich zu sein. Wir Designer können ein wenig zu diesem Glück beitragen, indem wir schöne, funktionale, emotionale und anspruchsvolle Produkte für all die unterschiedlichen Menschen auf der Welt gestalten.
Was möchten Sie als Designer in der Zukunft noch gerne erreichen?
Als großer Bewunderer von Pfeifenorgeln würde ich gerne einmal ein solch majestätisches Instrument entwerfen, aber das wird wohl ein nie erreichtes Projekt für mich bleiben.
Wie hoch ist Ihrer Ansicht nach die wirtschaftliche Bedeutung von Design?Natürlich ist Design ein bedeutender Aspekt für den Erfolg eines beinahe jeden Produktes und daher für die Wirtschaft extrem wichtig. Auf der anderen Seite ist Design eine unabhängige Qualität. Meiner Ansicht nach kann jedes noch so kleine Ding, das uns glücklich macht, von größerem Wert sein als erfolgreiche Geldbringer. Also lasst uns die Leute glücklich machen, und wenn Design dabei ein Teil davon ist: um so besser.
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