Kenji Ekuan
Kinkaku-ji Temple
Tea House, Jikko-in Temple
Stone Garden,

18.10.2007

Interview mit Hall of Fame Gastautor Kenji Ekuan

Kenji Ekuan ist Vorsitzender der GK Design Group und seit 1998 Vorsitzender der humanitären Organisation "Design for the World". Mit seinen Ideen prägt er internationale Designtrends. Wichtig ist für ihn unter anderem, Design als Quelle zur Verbesserung des Lebens zu verstehen. Als Gastautor der neu in der red dot edition erschienenen Publikation „Hall of Fame“ schreibt er über das Thema „The Tomorrow of Design. Simplicity is the ultimate”. Für red dot online stand Kenji Ekuan für ein Interview zur Verfügung.

 

red dot online: Herr Ekuan, inwiefern unterscheidet sich japanisches Design vom Design der westlichen Welt?
Kenji Ekuan: Kurz gesagt unterscheidet sich das japanische Konzept von Aufmerksamkeit anderen Menschen gegenüber ein wenig von der westlichen Einstellung. Im Allgemeinen sind japanische Designer bestrebt, alle nur erdenklichen Wünsche der Benutzer einzubeziehen. Ihre Produkte sind oft mit Funktionen ausgestattet, die Menschen sehr selten benutzen, das heißt zum Beispiel vielleicht einmal in zehn Jahren. Dennoch sind Hersteller geneigt, jede erdenkliche Zusatzfunktion zu integrieren, die irgendwie vorteilhaft für den Nutzer sein könnte. Selbstverständlich erschweren viele Zusatzgeräte oder -funktionen eines Geräts eine vereinfachte Gestaltung. Daher muss die Produktgestaltung in vielen Fällen ein ausgewogenes Gleichgewicht von Einfachheit und selten benutzten Zusatzfunktionen erzeugen.

red dot online: In Ihrem Aufsatz in „Hall of Fame“ schreiben Sie über die Ästhetik der Simplifizierung und der Kohäsion. Was kann Design, wenn ihm eine solche Ästhetik zugrunde liegt, für die globale Zukunft leisten?
Kenji Ekuan: Niemand kann die Wichtigkeit einer nachhaltigen Entwicklung und eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen verneinen. Daher sollten wir die Natur als unseren einzigen Ursprung sehen – eben als Mutter Natur – und die Erde mit Respekt und Ehrfurcht behandeln. Ästhetik ist Ausdruck dieses Respekts und ich hoffe, dass sie einen wesentlichen Gestaltungsansatz für die globale Zukunft andeuten kann.

red dot online: Seit 1998 sind Sie Vorsitzender der humanitären Organisation „Design for the World“, die Menschen in Not helfen will. Nun bringt man Design für gewöhnlich eher mit Produkten für zahlungskräftige Konsumenten in Verbindung. Für Menschen, die in Entwicklungsländern leben und sich in Notsituationen oder in Situationen sozialer Ausgrenzung befinden, scheint Design im Allgemeinen ein irrelevanter Faktor zu sein. Was macht Design dennoch gerade für diese Menschen wichtig und was will "Design for the World" mit seiner Arbeit erreichen?
Kenji Ekuan:
Menschen brauchen Design, unabhängig davon, was der Gegenstand von Design ist. Ich bin der Ansicht, dass die wesentliche Funktion des Industriedesigns darin besteht, dem Menschen zu dienen, egal ob reich oder arm. Für alles, was Menschen im täglichen Leben benutzen, brauchen sie Design und Design ist ein klarer und konkreter Beweis für das menschliche Recht zu leben.

red dot online: Welche Designaufgaben reizen Sie besonders? Gibt es ein Wunschprojekt, das Sie gerne einmal realisieren würden?
Kenji Ekuan:
Ich würde gerne eine tempelartige Anlage bauen, die ein Symbol beherbergt. In der Anlage würde ich gerne vor dem Objekt meditieren, das die Ordnung zwischen der menschlichen und der Dougu-Welt symbolisiert. Dougu ist eine japanische Terminologie, die alle baulichen Dinge grob definiert. Anders gesagt, alle von Menschen geschaffenen Dinge, außer unseren nackten Körpern, werden auf Japanisch oft Dougu genannt.

Über Kenji Ekuan


Kenji Ekuan, geboren 1929, erhielt 1955 seinen Abschluss von der Tokyo National University of Fine Arts and Music. 1957 gründete er GK Industrial Design Associates, woraus die GK Design Group hervorging, deren Vorsitzender er heute ist. Seit 1998 ist er Vorsitzender der humanitären Organisation „Design for the World“, und er hat wichtige Positionen in designorientierten Verbänden inne wie dem Icsid, der Japan Design Foundation und der Japan Finland Design Association. Kenji Ekuan hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 1979 den Icsid Colin King Grand Prix, 1995 die Sir Misha Black Medal (England) und im Jahre 2000 den Order of the Rising Sun (Japan). Die Insignia of Commander in the Order of the Lion of Finland wurden ihm 2004 verliehen. Kenji Ekuan interpretiert Tätigkeiten im Design im Hinblick auf ihre Bezüge zum Gesamtbild des japanischen Kulturlebens. Er ist der Ansicht, dass „das Idealziel von Design, selbst wenn dies schwer zu erreichen ist, in der Gestaltung einer guten Beziehung zwischen der Natur und den künstlich hergestellten Dingen liegen sollte.“
 

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