Professor Uwe Loesch

05.06.2008

Die Designwelt feiert den ersten World Industrial Design Day

Am 29. Juni 2008 feiert die Designwelt den ersten „World Industrial Design Day“. Dieser Jahrestag wurde vom internationalen Dachverband der Industriedesigner Icsid (International Council of Societies of Industrial Design) ins Leben gerufen, um ab sofort einmal jährlich einen fixen Termin zu bieten, an dem die Verdienste der Profession der Industriedesigner und deren Einfluss auf unsere Lebensqualität wieder ins Bewusstsein gerufen werden sollen. Der 29. Juni wurde ausgewählt, weil dieses Datum den Geburtstag des Verbandes markiert: Am 29. Juni 1957 wurde Icsid in London offiziell gegründet. Der World Industrial Design Day soll in Zukunft Anlass für zahlreiche Aktivitäten auf der ganzen Welt sein – Veranstaltungen, Ausstellungen, Vorträge oder Tage der offenen Tür.

 

Pünktlich zum ersten World Industrial Design Day haben Icsid-Mitglieder bereits etliche Aktionen geplant, darunter eine Retrospektive kanadischen Industriedesigns in Toronto, eine „Design Street Fair“ in Budapest oder ein Design-Symposium in Tokio.

Freier Eintritt im red dot design museum

Auch das red dot design museum in Essen wird anlässlich des World Industrial Design Day am 29. Juni 2008 allen Besuchern freien Eintritt gewähren. Damit haben die Museumsbesucher kostenlosen Zugang zu drei Sonderausstellungen, die zu diesem Zeitpunkt präsentiert werden: „Design on stage – winners red dot award: product design 2008“, eine Ausstellung sämtlicher Produkte, die in diesem Jahr mit dem renommierten Designpreis "red dot" ausgezeichnet wurden, „Bose Design. The Expression of Technology", in der die Arbeit des diesjährigen Designteams des Jahres vorgestellt wird, sowie die Sonderschau  "red dot award: design concept winners’ exhibition", eine Reise in die Zukunft des Designs auf Basis der beim red dot award: design concept ausgezeichneten Arbeiten.

Das Plakat zum World Industrial Design Day 2008 – Interview mit Professor Uwe Loesch

Professor Uwe Loesch hat im Auftrag von Icsid ein Plakat für den World Industrial Design Day gestaltet. red dot sprach mit Professor Loesch über die Hintergründe seines Entwurfs:  

red dot: Herr Professor Loesch, Sie haben das Plakat für den World Industrial Design Day entworfen. Ein außergewöhnlicher Entwurf, dessen zentrales Bildelement ein Polyeder ist – ein Zitat aus Albrecht Dürers berühmtem Kupferstich ‚Melancolia I’, einem rätselhaften Werk, das sich bis heute einer vollständigen Interpretation verschließt und den Versuch des Betrachters, ein Sinnganzes zu schaffen, zum Scheitern verurteilt. Mit welcher Intention haben Sie den Polyeder zum Bildelement in Ihrem Plakat gemacht?

Prof. Uwe Loesch: Um in einem Plakat dem Anspruch „World Industrial Design Day“ gerecht zu werden, geht man zwangsläufig „back to the roots“. Albrecht Dürer, der sich bekanntlich intensiv mit den Grundlagen der Geometrie auseinandersetzte, bildete 1514 das von mir im Plakat zitierte Objekt in einem seiner „Meisterstiche“ ab. Abgesehen von diesem direkten kulturhistorischen Bezug, verweist das Plakatmotiv im Allgemeinen auf die mathematisch-philosophischen Grundlagen des Designs. Der Unbefangene wird das Objekt benennen wollen und daran scheitern. Vor allem aber referiert das Plakatmotiv den Übergang von der Fläche zum Dreidimensionalen, vom Entwurf zum Objekt. Es hat etwas kosmisch Universales an sich und ist nicht erwartungsgemäß rund. So gesehen ist die Abbildung eines aus den Platonischen Körpern abgeleiteten Polyeders eine ganz direkte Veranschaulichung des Begriffs Design. Es vereint das, was „Gestalt“ annimmt. Wenn Sie wollen, können Sie mein Plakat auch wörtlich nehmen: Gutes Design ist immer ein Stein des Anstoßes, böses sowieso.

red dot: Der World Industrial Design Day am 29. Juni ist eine globale Initiative, um Industriedesignern und Designliebhabern eine Gelegenheit zu geben, für ein weltweites Verständnis von Industriedesign, und allem was es umfasst, zu werben. Der ‚World Graphic Design Day’, der am 27. April, dem Gründungsdatum von Icograda stattfindet, ist das Pendant dazu. Welche Bedeutung haben solche Initiativen für Sie?

Prof. Uwe Loesch: Jahrestage sind Erinnerungen an die Zukunft. Sie sind Anlass und zugleich Verpflichtung den Gegenstand unseres Interesses in den Mittelpunkt zu rücken. Industrial Design und Communication Design prägen in hohem Maße unser ästhetisches Empfinden. Sie sind weltweit Ausdruck einer Denk- und Geisteshaltung, die das Sichtbare begreifbar werden lässt. Angesichts des globalen Wettbewerbs wurde Design zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Entwicklungen im Bereich neuer Technologien werden erst durch entsprechende „Designerfindungen“ manifest und nutzbar.

red dot: Herr Professor Loesch, Sie sind Professor für Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal und arbeiten in Ihrem eigenen Studio. Ihre Arbeiten sind Bestandteil bedeutender Sammlungen und erhielten zahlreiche Auszeichnungen. Zurückblickend auf Ihre Erfahrungen als Kommunikationsdesigner, welchen Rat würden Sie jungen Nachwuchsdesignern mit auf den Weg geben?

Prof. Uwe Loesch: Sie sollten versuchen Ihre angeborene Gestaltungsfreude zu steigern und damit sich selbst ernst zu nehmen. Anschließend können sie ihre Arbeitsergebnisse mit kritischer Distanz betrachten und hoffentlich wissen, dass es immer wieder eine Lust und eine Kunst ist zu scheitern.

Über Professor Uwe Loesch
Prof. Uwe Loesch, 1943 in Dresden geboren, studierte von 1964 bis 1968 Grafikdesign an der Peter-Behrens-Werkkunstschule Düsseldorf; seither arbeitet er im eigenen Studio. Für seine Arbeiten in den Bereichen Corporate Design, Corporate Communication und Plakatgestaltung erhielt er internationale Anerkennung. Sie sind Bestandteil bedeutender Sammlungen wie etwa des Museum of Modern Art in New York und werden weltweit ausgestellt und ausgezeichnet, z.B. mit der Goldmedaille des Art Directors Club of Europe, dem Grand Prix des red dot design award, mehrmals den Icograda Excellent Award oder dem 1. Preis des Five Star Designers’ Banquet Osaka. Von 1990 bis 2008 lehrte Prof. Uwe Loesch Kommunikationsdesign an der Bergische Universität Wuppertal. Er ist Präsident der Alliance Graphique Internationale in Deutschland, Mitglied des Art Directors Club für Deutschland und des Type Directors Club New York und war bereits dreimal Mitglied der internationalen Expertenjury des red dot award: communication design.