
- Michael Thurnherr

- Delizio
Interview mit Michael Thurnherr
Für das innovative Design der „Compact“ von Delizio ist der Schweizer Designer Michael Thurnherr von 2ndwest verantwortlich. Er begann seine berufliche Karriere bei Vitra, wo er an Projekten von Antonio Citterio, Alberto Meda, Jasper Morrison, Philippe Starck, Marten van Seeveren und Michele de Lucchi mitarbeitete. Er lehrte sowohl an der Universität der Künste in Berlin (Abteilung Industriedesign) als auch an der HSR Rapperswil (Abteilung Maschinenbau). Seit 1998 ist Michael Thurnherr selbstständig.
Die Compact ist eine Kaffeemaschine, die speziell Erstkunden ansprechen soll. Auf welche Aspekte haben Sie vor diesem Hintergrund ein besonderes Augenmerk gelegt?
Michael Thurnherr: Auf Einfachheit – in Form, Inhalt, Funktion, Kommunikation und Handhabung. In seiner ganzen Komplexität ist dieses Prinzip das wichtigste Merkmal unserer Designstrategie. Sogenannte „einfache“ Gestaltungslösungen bergen ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft, was den Ansprüchen zunehmend kritischer und designkompetenter Konsumenten entspricht. Dieser Arbeitsweise folgend, wurde unsere „Kleine“ zu einer äußerst kompakten Kaffeemaschine, die mit nur zwei Knöpfen und einem Hebel einfachste Bedienung verspricht. Die Form- und Farbgebung versöhnt auf sinnliche und nachvollziehbare Weise die europäische Kaffeekultur mit einem modernen Portionensystem.
Wie wichtig waren ökologische Aspekte bei der Gestaltung der Compact?
Michael Thurnherr: Sehr wichtig! Aus formaler Sicht verlängert erhöhte visuelle Halbwertszeit die Lebensdauer des Produktes. Ökologie beginnt auch bei der Größe der Maschine: je kleiner, desto weniger Material, desto weniger Verpackung, desto weniger Volumen für Logistik, desto weniger Abfall etc. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass sämtliche Verbindungen lösbar und Verschleißteile so angeordnet sind, dass sie mit wenigen Handgriffen ersetzt werden können. Auf Lackierung wurde weitgehend verzichtet, um Materialreinheit und so Recyclebarkeit zu gewährleisten. Höchste ökologische Anforderungen sind immer integraler Bestandteil unserer Arbeit.
Die Herstellungskosten sollten möglichst gering gehalten werden – mit welchen Mitteln haben Sie das erreicht?
Michael Thurnherr: Zusammenfassen, minimieren und wenn möglich weglassen sind unsere Methoden. Also weniger Tasten, weniger unnötige Features, Kunststoffteile in Off-Tool-Qualität etc. Weiter konnten wir durch die Reorganisation der technischen Komponenten 30 % des Volumens einsparen. Wichtig ist uns immer auch die Optimierung des Entwicklungsprozesses, der bei der Compact von den ersten Konzepten bis zum fertigen Produkt im Verkaufsregal nur neun Monate dauerte.
Was macht Ihrer Meinung nach gutes Design aus?
Michael Thurnherr: Vertrauen, Sinnhaftigkeit, Freude und Einfachheit ... Inhaltlich wie funktional muss gutes Design konkrete Lösungen für tatsächliche Probleme mit einem für alle Beteiligten erfahrbaren Mehrwert schaffen.
Welche Aufgabe würde Sie in Zukunft reizen?
Michael Thurnherr: Wir interessieren uns für Menschen, ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten. Daraus leiten wir Lösungen ab, die Sinn kommunizieren und möglichst niemanden von der Nutzung ausschließen. Wir erachten die Auswirkungen der demografischen Veränderung unserer Gesellschaft als eine der wichtigsten Rahmenbedingungen bei der Entwicklung und Gestaltung zukünftiger Produkte und Dienstleistungen. Seit Jahren sammeln wir hierfür gezielt Fakten und Erfahrungen, um kompetent und getreu unserem Credo „design for public“ innovative Gestaltungsprozesse in Gang zu bringen.



