Thomas Mennel und Reinhard Muxel alias „Memux“ und Christine Pils
betonvorhang

Interview mit Memux und Christine Pils

Der Zusammenschluss von Thomas Mennel und Reinhard Muxel alias „Memux“ besteht seit 1998. Viele Projekte des Ateliers sind geprägt von der Zusammenarbeit mit Akteuren unterschiedlichster Disziplinen. Ein besonders spannendes Produkt entstand in der Zusammenarbeit mit der Designerin Christine Pils und Werner Schedler, dem Mitinhaber von Oberhauser & Schedler Bau. Durch den außergewöhnlichen Einsatz von Beton ist es ihnen gelungen, ein andersartiges und doch alltagstaugliches Objekt zu gestalten, dessen scheinbarer Gegensatz zwischen Materialität und Variabilität sich zu textiler Architektur entwickelt.

 

Wodurch erhält der Vorhang seinen poetischen Charakter?
Die Poetik liegt in der Überhöhung und Umformung der eigentlichen Widersprüche. Das Objekttextil eröffnet visuelle, haptische und akustische Zugänge. Es erfüllt funktionalistische Ansprüche, drängt diese aber in Anbetracht anderer Erlebniswerte in den
Hintergrund.

Welche Vorteile und Möglichkeiten bietet das Material Beton gegenüber Textilien?
Die freie Formbarkeit und die Verknüpfung mit anderen Materialien im flüssigen Ausgangszustand schafft Freiheiten, die jene dem Material Beton zugeschriebenen Eigenschaften – Starrheit, Härte, Schwere – aufheben. Das Gewicht beispielsweise wird zu einer relativen Größe; je nach Einsatzgebiet wird es letztlich zum Vorteil gegenüber leichten Textilien.

Was ist Ihre Designphilosophie?
Die Herausforderung liegt im Prozess der Ideenfindung. Unabhängig vom Themenfeld bildet der künstlerische Anspruch einen wesentlichen Angelpunkt. Funktion ist Ausgangspunkt und Derivat gleichermaßen. Durch Überhöhung von Materialien, Formen und Räumen entstehen neue Erlebnis- und Gebrauchsmöglichkeiten. Das Interesse liegt in der Intensivierung der Berührungspunkte für den Verbraucher und den Konsumenten.

Inwieweit beeinflussen benachbarte Disziplinen Ihre Arbeit?
Memux bewegt sich in der Bearbeitung der Projekte von klassischer Architektur, experimentellem Design bis hin zur Konzeption und Begleitung von Performances. Dadurch ergibt sich ein Wechselspiel der Betrachtungsweise. Alltagstauglichkeit und Ästhetisierung sind weder formal noch funktional gebundene Parameter, sondern Teil der Bearbeitung über die Abhandlung einer Aufgabenstellung hinweg. Der Bruch mit gefestigten Vorstellungen zu einzelnen Arbeitsfeldern und Themen ist nicht Programm, sondern Ergebnis der Auseinandersetzung.