Gerd E. Wilsdorf und Frank Rieser
Siemens Stainless Steel Built-In Appliance System

Interview mit Gerd E. Wilsdorf und Frank Rieser

Die Arbeiten von Siemens-Chefdesigner Gerd E. Wilsdorf wurden bereits mit diversen Designpreisen ausgezeichnet. In diesem Jahr überzeugte das von ihm und dem Siemens-Designer Frank Rieser gestaltete Edelstahl-Einbaugerätesystem die Designexperten der red dot-Jury und erhielt für seine herausragende Designqualität eine Auszeichnung mit dem red dot: best of the best. Im Interview mit red dot gewährte uns Gerd E. Wilsdorf einen Einblick in seine Arbeit.

 

Herr Wilsdorf, verraten Sie uns doch etwas über Ihre Person.
Wie sind Sie Chefdesigner für Siemens Hausgeräte geworden?

Gerd E. Wilsdorf: Begonnen habe ich mit einer Lehre als Elektromechaniker, es folgte ein Studium zum Ingenieur für Feinwerktechnik. Im Anschluss daran studierte ich noch Produktdesign. Später arbeitete ich als Design-Koordinator in der Brillen-Entwicklungsabteilung bei Rodenstock in München und wurde schließlich Gestalter bei Siemens, wo ich jetzt schon seit über 20 Jahren als Chefdesigner für alle Produkte der Siemens-Elektrogeräte weltweit verantwortlich bin.

Das Siemens Edelstahl-Einbaugerätesystem besteht aus einem Espresso-Vollautomaten, einem Mikrowellen-Kompaktbackofen, einem Dampfbackofen und einem Kompaktbackofen. Ist der Gestaltungsspielraum bei solchen Geräten nicht sehr beschränkt?
Gerd E. Wilsdorf: Die Gestaltung wird zum Ersten durch die Maßvorgaben der Einbauküche beeinflusst; in diesem Falle war es eine fest vorgegebene Nischenhöhe von 450 mm und eine Nischenbreite von 600 mm. An diese müssen wir uns halten, da sonst das ganze System einer Einbauküche nicht mehr funktioniert. Wir betrachten unsere Einbaugeräte als „Funktions-Module“ für die Einbauküche. Der Kunde, bzw. das Küchenstudio, kann damit individuell die Küche planen. Dies ist mit unseren Geräten deshalb so problemlos machbar, weil sie in einer Reihe nebeneinander oder auch als Block kombiniert werden können. Die formalen Basis-Elemente (Infozone, Griffstange, Türgrafik) sind kongruent. Wir haben daher die Einbau-Espressomaschine formal bewusst an die anderen Einbaugeräte angepasst, damit die individuelle Kombinatorik funktioniert.

Die Küche wird heute als Wohnraum immer wichtiger. Welchen Faktoren schenken Sie bei der Entwicklung Ihrer Produkte vor diesem Hintergrund besondere Aufmerksamkeit?
Gerd E. Wilsdorf: Unsere Einbaugeräte unterstützen den Trend der Küche als Lebensraum sowie der zum Wohnraum hin offenen Küche. Die Geschirrspüler sind inzwischen so leise, dass sie das Leben im Wohnraum nicht stören, unsere Dunsthauben und Essen ebenso. Die Einbaubacköfen und -herde nehmen sich optisch zurück und integrieren sich niveaugleich in die Küchenarchitektur. Dies wollen wir auch in Zukunft weiterentwickeln, wir wollen uns in der Einbauküche nicht aufdrängen, sondern die Gesamtarchitektur unterstützen.

Welches Gesamtkonzept steht hinter den vom Siemens Designteam gestalteten Produkten?
Gerd E. Wilsdorf:
Das Design der Siemens-Elektrogeräte ist modern, aber nicht modisch. Die Gestaltung basiert auf geometrischen Grundformen. Unsere Geräte können es sich nicht leisten, nur kurz an der Oberfläche des Zeitgeistes zu schwimmen. Sie müssen ihre inneren Werte formal ehrlich und optisch langlebig dokumentieren. Denn die Anschaffung eines Herdes mit Kochfeld, einer Esse, eines Geschirrspülers und eines Kühlschrankes ist für einen Haushalt ein Investitionsgut und kein kurzlebiger Konsumartikel. Dementsprechend ist die Gestaltung unserer Geräte eindeutig und diszipliniert.

Wie begegnen Sie vor dem Hintergrund der Globalisierung der Herausforderung, Designlösungen für die verschiedenen Märkte zu entwickeln?
Gerd E. Wilsdorf: Ein Siemens-Hausgerät soll auch auf anderen Kontinenten als solches erkannt werden und sich nicht verleugnen. Die Formensprache bleibt gleich. Die Funktionen aber passen sich den länderspezifischen Erfordernissen an.