Günter Horntrich
SensaMare

Interview mit Günter Horntrich

Günter Horntrich ist Professor für Ökologie und Design an der Köln International School of Design (KISD). Er ist Gründer und Geschäftsführer der Designagenturen „yellow design | yellow circle“ in Köln und Pforzheim sowie Partner von „yellow too“ in Berlin. Für Hoesch entwarf er das Komplettbad „SensaMare“, das die internationalen Designexperten der diesjährigen red dot-Jury für seine wegweisende Gestaltung mit einem red dot: best of the best auszeichneten. Im Interview verriet er, wie er das Bad der Zukunft sieht.

 

Herr Professor Horntrich, spannungsvolle Gegensätze charakterisieren das SensaMare-Komplettbad. Was hat Sie dazu inspiriert?
Günter Horntrich: Industrial Design ist im professionellen Sinne das zielgerichtete Analysieren von Zielgruppen, Produktwelten und gesellschaftlichen Strömungen. Auf dieser Ebene des gestalterischen Arbeitens wird nicht mit glücklichen Momenten der Muse und Inspiration gearbeitet, sondern durch strategisches Denken und adäquate Umsetzung der Erkenntnisse ein punktgenaues Ergebnis erzielt. Von daher ist das erarbeitete Konzept der formalen Kontraste keine Konsequenz der Inspiration, sondern der gezielter Selektion.

Sie verwenden einen Materialmix aus Holz, Acryl und Edelstahl. Welche Rolle spielen heute sinnliche Werkstoffe wie Holz bei der Gestaltung des Bades?

Günter Horntrich: Materialität war schon immer ein immanent wichtiger Faktor zur Produktoptimierung und Differenzierung. Jedes Objekt entwickelt durch den verwendeten Werkstoff seine ganz eigene Wirkdimension und spezielle physikalische Eigenschaft. Für uns war es von Beginn des Gestaltungsprozesses an klar, das Konzept der Kontraste auch bezüglich der verwendeten Materialien weiterzuführen.

Wie wird das Bad der Zukunft aussehen?
Günter Horntrich: Das Bad der Zukunft wird auf den ersten Blick weniger sein, nicht mehr: weniger Komplexität, weniger Objekte, weniger Unruhe. Dafür wird der Grad der Integration steigen, Objekte von hoher Schlichtheit werden eine Vielzahl von Funktionen beinhalten, welche intuitiv bedienbar den Komfort und das Baderlebnis intensivieren.

Welche Aspekte sind Ihnen bei der Konzeption und Gestaltung neuer Produkte besonders wichtig?
Günter Horntrich:
Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit.

Welche Rolle spielt Design Ihrer Meinung nach in einer sich verändernden, wirtschaftlich globalen Situation?
Günter Horntrich: Design und Marke im Sinne von Identität und Authentizität, Geschichte und Qualität, aber auch Haltung und Stil sind Produktfaktoren, welche die einzige Argumentation gegen das Diktat des Preises und der Masse darstellen. Die entstehenden Begehrlichkeiten und die wirtschaftliche Macht von Marke und Design zeigen sich auch in der extrem expandierenden Produktpiraterie. Design ist somit der Schlüssel zur Optimierung der Wertschöpfung, durch die entstehende Verantwortung aber auch ein Faktor zur Steigerung von Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit in der uns umgebenden Objektwelt.

Wie würden Sie gutes Design definieren?
Günter Horntrich: Gutes Design entsteht, wenn man weitermacht, wo andere schon aufhören.