Ross Lovegrove
Mercury sospensione

Interview mit Ross Lovegrove

Ross Lovegrove gehört zu den wohl wichtigsten und innovativsten Industriedesignern unserer Zeit. Viele seiner Arbeiten sind von den Elementen und der Ästhetik der Natur inspiriert, seine oftmals organisch geformten Produkte wecken Emotionen, wie die Pendelleuchte „Mercury“. Die internationalen Designexperten der red dot-Jury waren von ihrem einzigartigen Design so begeistert, dass sie sie zu einem der besten Produkte des gesamten Wettbewerbs wählten und sie mit einem red dot: best of the best auszeichneten.

 

Herr Lovegrove, was war die Inspiration für „Mercury“?
Ross Lovegrove:
Die Inspiration für Mercury bestand darin, flüssige Formen zu kreieren, die im Raum schweben und als dreidimensionale Lichtreflektoren dienen. Die Anordnung interagiert allerdings auch gut mit natürlichem Licht.

Welche Rolle spielten ökologische Aspekte bei der Gestaltung
der Pendelleuchte?
Ross Lovegrove:
Ökologie bezieht sich in diesem Sinne auf mein anhaltendes Interesse an der Natur und deren moderner Ausdrucksform. Ein Produkt wie dieses wird oft hoch bewertet und steht somit hoffentlich jenseits von Mode – das Konzept ist kein Einwegprodukt. Ich glaube, dass es trotz Neuerungen oder Veränderungen in seiner künstlichen Lichtquelle relevant bleiben kann.

Inwiefern beeinflussen benachbarte Disziplinen wie Architektur oder Kunst Ihre Arbeit?
Ross Lovegrove:
Meine Arbeit ist in Forschung eingebettet, die sich mit digitalen Methoden in der modernen Architektur beschäftigt, um Formen, Materialien und Technologien auf hoch emotionale und zeitgenössische Art voranzubringen. Meine Arbeit wächst in ihrer Kompatibilität mit den Neuerungen im architektonischen Denken und der Raumgestaltung ... so wie die Zuversicht, durch Schaffung intelligenter Formen die Beschaffenheit der Dinge um uns herum zu verändern, vom Produkt über Autos bis hin zur Architektur. Ich betrachte meine Arbeit auch vom Standpunkt eines Gestalters moderner Technologie, und die detaillierte Forschung, die ich mit meinen limitierten Auflagen verfolge, fließt wieder in das System zurück, um aus meinen Industrieprodukten eine zugängliche Form der Kunst zu machen – meine Wasserflasche ist dafür vielleicht ein gutes Beispiel.

An welchen Orten arbeiten Sie an Ihren Designobjekten, wodurch lassen Sie sich inspirieren?
Ross Lovegrove:
Ich arbeite auf sehr organische Weise ... in Bewegung, wobei ich ständig Informationen aufnehme und filtere. Ich lese wissenschaftliche Fachjournale und mich interessieren Fakten, die mit der Schädigung der Erde durch die Gier nach Ressourcen zu tun haben. Das ist der Gegenpol, der mich erdet und auf das Schaffen einer Kultur mit Qualität konzentrieren lässt. Als industrieverbundener Designer hat man die Verantwortung, Dinge auf kulturell höchstem Niveau zu entwerfen, da die von uns geschaffenen Objekte zum Maßstab unserer Intelligenz und Zivilisation werden. Erst neulich war ich bei der NASA in Houston, Texas, und habe mir kurz danach die Entwicklung der Wale im National History Museum angesehen. Das ist alles Teil eines Ganzen für mich: Beides ist bereichernd und höchst stimulierend ... vielleicht ist es die Idee einer Bestimmung, die diese Pole in mir vereint. Wenn wesentliche wirtschaftliche Formen mit moderner Technologie zusammenlaufen, kann das Ergebnis sehr bedeutend sein – mit dem Menschen im Zentrum.

Welches Wunschprojekt würden Sie gerne einmal realisieren?
Ross Lovegrove:
Ich würde gerne ein intelligentes Auto oder einen Zug gestalten.