
- Ronan und Erwan Bouroullec

- Worknest
Interview mit Ronan und Erwan Bouroullec
Seit mittlerweile neun Jahren arbeiten die Brüder Ronan und Erwan Bouroullec gemeinsam. Zu ihren Auftraggebern zählen namhafte Hersteller wie Vitra, Cappellini, Issey Miyake, Magis oder Ligne Roset. Ihre Arbeiten werden unter anderem im Museum of Modern Art in New York, dem Musée National d’Art Moderne, Centre Georges Pompidou, in Paris oder dem Designmuseum in Lissabon gezeigt. In diesem Jahr begeisterten sie die red dot-Jury mit „Worknest“, einem betont wohnlich gestalteten Bürodrehstuhl.
Ronan und Erwan Bouroullec, welche Intention steckt hinter „Worknest“, was hat Sie inspiriert?
Wir haben das Gefühl, dass das Büro häufig als mechanische Welt gesehen wird, mit unverkennbaren Bezügen zu Robotern und Technologie. Wir denken aber, dass dieser Ansatz nicht zu der Wirklichkeit der Bürowelt passt – einem Ort, an dem Menschen arbeiten. Unsere Idee war es, ein ergonomisches, sehr technisches, zugleich aber weiches Produkt zu gestalten. Da ein Stuhl dazu dient, den Körper zu stützen, muss er in seiner Form an den Körper angepasst sein. Uns jedenfalls gefällt ein Stuhl, der dem Körper oder einem Tier ähnelt, besser als einer, der wie eine Maschine aussieht. Beim Worknest ist die für den Komfort nötige Mechanik unter einer Stoffhaut versteckt, die den visuellen und taktilen Kontakt zum Nutzer weich gestaltet.
Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit und empfinden Sie es dabei als Vorteil, dass Sie Brüder sind?
Gestalten ist wie Kochen. Die Alchemie ist zu komplex, um wissenschaftliche und systematische Regeln für ein Projekt oder zwischen uns herauszustellen. Aufgabenverteilungen oder Regeln gibt es da keine. Manche Ideen entstehen sehr schnell und spontan. Andere wiederum erfordern einiges an Überlegung und dann dauert der Prozess länger. Wir haben kein Geheimrezept. Am Anfang eines Projekts steht ein gemeinsames Betrachten des Konzepts und des Nutzens, dann ein Abwägen. Einerseits sind wir Brüder, die vor dem gleichen Hintergrund aufgewachsen sind und die gleiche tiefe Beziehung zu Formen und Farben teilen. Wir haben die gleichen Ansichten über viele allgemeine Dinge. Aber da sind auch fünf Jahre Altersunterschied zwischen uns. Wir können schon recht unterschiedliche Ansichten haben. Bei unseren Projekten sind wir uns am Ende immer einig, aber das ist nicht immer von vornherein klar. Das ist ein langer Diskussions- und Einigungsprozess.
Inwiefern beeinflussen andere Disziplinen Ihre Arbeit?
Uns interessieren viele Kunstformen: Grafik, Fotografie, Kino, Musik, Kunst. Wir gieren nach Kunst im Allgemeinen. Es ist aber leider auch so, dass wir nicht immer Zeit haben, in Ausstellungen zu gehen und alles zu verfolgen. Wir leben recht abseits der kreativen Szene, obgleich wir die Entstehung neuer Dinge über die Presse verfolgen. Wir sind recht vage von Informationen beeinflusst, die von überall her stammen. Wir haben nie das Gefühl, direkt von etwas inspiriert zu sein. Das ist immer viel komplexer. Beobachtungen sind für uns sicher der Haupteinfluss von außen. Wir versuchen, das Alltagsverhalten der Menschen präzise zu beobachten und so Handlungsmuster und Bedürfnisse zu verstehen. Wir haben wirklich ein großes Interesse, nein, eine Leidenschaft für die kleinen Dinge des Lebens, die Art, wie Menschen Sachen betrachten, die Art, wie sie sie nutzen usw. Was Kunst anbelangt, die uns irgendwie beeinflusst, ist es so, dass wir Künstler wie Donald Judd, Ellsworth Kelly oder Frank Stella sehr schätzen. Aber wir hatten nie das Gefühl, dass ein direkter Einfluss besteht.



