Gerhard Fuchs
ID2 Goggle

Interview mit Gerhard Fuchs

Seit seinem Eintritt ins Designteam 1990 gibt es kaum eine Brillen-Kollektion von Silhouette oder adidas eyewear, die nicht auch die Handschrift von Gerhard Fuchs trägt. Wie die „ID2“, eine innovative Sportbrille, die er für adidas eyewear entwarf. Die Juroren des diesjährigen red dot award: product design waren sich einig: Die von Gerhard Fuchs entworfene Sportbrille gehört zu den besten Produkten des gesamten Wettbewerbs. Für diese herausragende Designleistung zeichnete sie Gerhard Fuchs mit einem red dot: best of the best aus.

 

Herr Fuchs, die Sportbrille „ID2“ ist die erste, die aus zwei voneinander lösbaren Rahmenpartien besteht: dem Front- und dem Hauptrahmen. Welche Vorteile bietet diese Rahmentechnologie?
Es gibt einige Vorteile dieser Konstruktion! Ein wesentlicher Vorteil ist die Flexibilität des vorderen Rahmenteiles. Dieser Teil passt sich bei Bedarf an jeden Helm an, indem er nach außen frei flexen kann. Durch die Zwei-Rahmen-Bauweise ist es uns auch gelungen, ein 3-D-Klima-Management durch geführte Luftströmung zu ermöglichen. Der vordere Teil dichtet einerseits zum oberen Rand des Helmes ab, führt aber andererseits Luft durch die Lüftungskanäle zu einem nanobeschichteten Ventilationssystem im hinteren Rahmenteil. Somit wird die Brille immer optimal belüftet. Zusammen mit der anti-fog-beschichteten Doppelscheibe ist ein Beschlagen der Brille fast unmöglich. Ein weiterer Vorteil ist, dass der hintere Rahmen als Basis für neue Goggles verwendet werden kann und somit in Zukunft Entwicklungs- und Werkzeugkosten reduziert werden können. Die zwei Teile der Brille ermöglichen natürlich auch eine besondere Farbgestaltung. Vor allem ist es möglich, sie an die Farbwünsche der Kunden anzupassen, indem man vordere und hintere Teile individuell tauschen kann.

Welcher Designphilosophie sind Sie bei der Gestaltung der ID2 gefolgt?
Unsere Philosophie ist, wie bei allen unseren Produkten, ein Produkt mit der besten Performance für die jeweilige Sportart zu entwickeln. Um das zu erreichen, arbeiten wir sehr eng mit den Athleten zusammen, die wir sponsern. In Zielgruppen erarbeiten wir die notwendigen Anforderungen. Natürlich ist es auch für den Designer wichtig, die Sportart selbst auszuüben. Nur so kann man die Anforderungen richtig verstehen. Unsere Athleten helfen uns nicht nur beim Finden der richtigen Anforderungen, sie helfen uns auch durch ihr authentisches Leben in der Szene, den richtigen Style zu finden.

Die Umsetzung von richtungweisendem Design ist auch ein Spiel mit technischen Möglichkeiten. Welche Rolle spielt Handarbeit bei der Fertigung?
Vor allem bei der ID2 war es ein Designprozess, der Hightech und Handarbeit in der Entwicklungsphase vereinte. Schon der erste Prototyp entstand in 3-D am Computer. Aus den 3-D-Daten entstehen dann Stereolithografen, die formal schon sehr gut beurteilt werden können. Diese Lithografen werden zum Teil mit der Hand verändert. Bei der ID2 wurden beim ersten Prototypen die Lüftungsöffnungen per Hand ausgeschnitten und gefeilt, und auch an den weiterentwickelten Prototypen wurden immer wieder Feinabstimmungen per Hand gemacht!

Wie lange dauert es eigentlich vom ersten Entwurf des Designers bis zur fertigen Brille?
Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt dauert es bis zu zwei Jahre. Vor allem bei Skibrillen ist es sehr wichtig, dass kleine Serien von Gießmustern, die aus den Stereolithografen gefertigt werden, immer wieder von  unseren Athleten und normalen Aktivsportlern getestet werden. Bei der ID2 brauchten wir fünf Entwicklungsstufen, um beim endgültigen Design anzugelangen. – Ich denke, das hat sich ausgezahlt, der red dot: best of the best ist neben dem ISPO Boardsports Award schon die zweite Auszeichnung. Das freut natürlich alle, die an der Entstehung mitgewirkt haben!

Wie definieren Sie gutes Design?
Richtig gut gelungen ist ein Design, wenn es sich über Jahre hinweg am Markt behaupten kann und dem Benutzer viel Freude in Funktion und Form bringt. Am Ende soll natürlich auch Geld damit verdient werden können, um weiterhin gute Produkte „Made in Austria“ weltweit anbieten zu können.