James C. Meschter und Sean McDowell
Zoom Victory Spike

Interview mit James C. Meschter and Sean McDowell

James C. Meschter und Sean McDowell gestalteten den Nike Zoom Victory Spike, der für seine innovative Designleistung mit dem red dot: best of the best ausgezeichnet wurde. James C. Meschter begann seine Karriere als Mitglied der Apple Industrial Design Group und arbeitete von 1997 bis 2000 als Creative Director bei der Nike Inc. Sport Equipment Division, bevor er zur Nike Inc. Innovation Kitchen wechselte. Sean McDowell arbeitet seit 1997 für Nike Inc. Seit 2006 ist er Creative Director für Olympic Footwear.

 

Der „Zoom Victory“ ist der leichteste Spike-Schuh, der je produziert wurde, mit einem Gewicht von lediglich 93 Gramm. Wie war es möglich, das Gewicht so stark zu reduzieren?
Sean McDowell:
Der größte Durchbruch lag in der Benutzung der Flywire-Technologie. Diese Technologie ermöglicht es, sehr starke Fasern genau dort zu platzieren, wo der Fuß sie benötigt. Das Ergebnis ist ein sehr leichtes und minimales Stützsystem, das auf die massigen Materialien der Vergangenheit verzichtet.
James C. Meschter: Flywire ist einfach das Trägermaterial für computergenähte, ultrastarke Vectranfasern. Wir platzieren die Bänder nur dort, wo Unterstützung benötigt wird, und nur in Kraftrichtung. So sparen wir uns das überflüssige Material eines Textilüberzugs. Im Hinblick auf die Designeffizienz ist das Konzept einer Hängebrücke sehr ähnlich.

Was sind die besonderen Herausforderungen, die Sie im täglichen Umgang mit neuen Materialien meistern müssen?
Sean McDowell: Die Materialien, die wir in der endgültigen Version des Schuhs benutzt haben, existierten noch nicht, als wir das Projekt begannen. Die Technologie existierte nicht. Sogar die Maschinen existierten noch nicht. Es dauerte drei Jahre, über 70 Prototypen und eine Vielzahl an Materialverkäufern, bis wir die endgültige Lösung hatten.
James C. Meschter: Da wir quasi einen Schuh aus ganz speziell ausgerichteten Fasern entwickelten, mussten wir zuerst einen Weg finden, sie überhaupt so auszurichten. Zweitens mussten wir eine Faser finden, die den harten Belastungen, die ein Sportler in Bewegung verursacht, standhalten kann. Das erste Problem wurde dadurch gelöst, eine herkömmliche Stickmaschine zu zweckentfremden und sie dazu zu benutzen, lange Faserstränge in jede Richtung zu ziehen, die wir vorgaben, und sie dann an jedem Ende mit einem Stich festzunähen. Dann entwickelten wir einen ultrastarken Faden, den die Stickmaschine verarbeiten konnte. Er besteht aus Vectran, einer Faser, die eine ähnliche Stärke hat wie Karbonfaser.


Welche Designphilosophie haben Sie bei der Entwicklung des „Zoom Victory Spike“-Schuhs verfolgt?
Sean McDowell:
Wenn ein Athlet um eine Goldmedaille kämpft, kann jedes Gramm, jeder Millimeter und jede Hundertstelsekunde über Sieg oder Niederlage entscheiden. Daher sind wir zwanghaft genau bei jedem Detail, um dem Athleten den größten Wettbewerbsvorteil zu bieten. Der Herstellungsprozess und das Testen der Prototypen durch die besten Athleten der Welt veränderte das Design auf jeder Entwicklungsstufe. Die funktionalen Bedürfnisse des Körpers bestimmten die Ästhetik.
James C. Meschter: Die Entdeckung neuer funktionaler Lösungen bringt oft neue und bedeutsamere Möglichkeiten ästhetischer Gestaltung mit sich.

Wie bewerten Sie die Rolle von Design im globalen Markt?
Sean McDowell:
Großartiges Produktdesign verkauft sich von selbst. Die besten Unternehmen benutzen Design als Wettbewerbsvorteil. Die Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, haben noch nicht erkannt, dass Design eine angeschlagene Produktserie in eine Serie mit großer Kundenattraktivität verwandeln kann.
James C. Meschter: Nike hat über die Jahre bewiesen, dass Design ein sehr effektives Werkzeug ist, wenn es darum geht, für einen Sportler ein Problem zu lösen.