red dot: grand prix: „Duality“ von ART+COM, Berlin
Klassischerweise steht Kunst am Bau mit ihrer Verknüpfung zur Architektur und der Umgebung eines Bauwerks in einem besonderen Spannungsverhältnis: Der Bezug zu dem Bau schränkt die künstlerische Freiheit auf der einen Seite ein und ist auf der anderen Seite ihre Herausforderung. Installationen, die sich der neuen Medien und Technologien bedienen, eröffnen Gestaltern heute die Möglichkeit, vollkommen neuartige Verbindungen mit der Architektur einzugehen. Und nicht nur mit ihr, sondern auch mit den Menschen, die sie beleben.
Die für einen Neubaukomplex im Zentrum Tokios entwickelte Installation „Duality“ macht Passanten zu Impulsgebern. Beim Betreten der 6 x 6 Meter großen Fläche an der Uferkante eines künstlichen Sees lösen ihre Schritte in Echtzeit berechnete virtuelle Lichtwellen aus, die sich als echte Wellen in dem angrenzenden Teich fortsetzen. Den aus der nahen U-Bahn-Station strömenden Passanten soll die Installation einen Moment des spielerischen Innehaltens und der Kontemplation bieten. Zudem setzt sich „Duality“ mit dem Wechselspiel zwischen flüssig/fest, real/virtuell, Wasserwellen/ Lichtwellen auseinander und verfolgt das Ziel, der üblichen Praxis von Kunst am Bau ein den Ort und seine Menschen unmittelbar mit einbeziehendes, identitätsstiftendes Konzept gegenüberzustellen.
Joachim Sauter über „Medien im öffentlichen Raum“:
„Duality“ ist eine Installation im öffentlichen Raum im Stadtzentrum Tokios. Zielsetzung war es, eine Arbeit zu schaffen, die im Gegensatz zu den meisten anderen medialen Kunstprojekten im öffentlichen Raum ihre Umgebung thematisch aufgreift und physisch auf die Passanten reagiert. Positioniert zwischen einem gepflasterten Weg und einem angrenzenden künstlichen Teich, thematisiert „Duality“ die Schnittstelle zwischen „flüssig“ (Wasser) und „fest“ (Weg) und erweitert diese um den Aspekt „real“ (Wasserwellen) und „virtuell“ (Lichtwellen). Die Passanten ihrerseits verändern durch die Reaktivität der Installation die Umgebung und erleben dadurch ein mit dem Ort identitätsstiftendes Moment.
ART+COM wurde 1988 von Designern, Wissenschaftlern, Künstlern und Technologen in Berlin gegründet. Das Gestaltungsbüro für Neue Medien übersetzt und inszeniert Inhalte mittels interaktiver Medien in den Raum und macht komplexe Themen in Museen, Ausstellungen, Besucher- und Wissenschaftszentren, auf Messen und im öffentlichen Raum zugänglich. Das 70-köpfige interdisziplinäre Team realisiert heute Projekte für Kunden aus Kultur, Industrie und Forschung – von Bildschirmanwendungen über interaktive Installationen bis hin zu medialen Räumen, von der Ideenentwicklung bis zur gestalterischen und technischen Umsetzung.
Joachim Sauter, Creative Director und Mitbegründer von ART+COM, studierte Gestaltung an der Universität der Künste Berlin sowie Regie und Kamera an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigt er sich mit dem Computer als Werkzeug und Medium. Seit 1991 ist er Professor für Kunst und Gestaltung mit digitalen Medien an der Universität der Künste Berlin, seit 2001 zudem Adjunct Professor für Mediengestaltung und Medienkunst an der University of California, Los Angeles.










