
- Ben van Berkel

- MYchair Lounge Chair
Interview mit Ben van Berkel
red dot: Warum haben Sie am red dot award: product design teilgenommen, was zeichnet diesen Design-Wettbewerb aus?
Ben van Berkel: Unserer Erfahrung nach kommunizieren gute Designauszeichnungen Design nicht nur auf eine verbindlichere und angenehmere Art, auch die unabhängige Anerkennung ist für jedes Design unschätzbar. Obwohl es heutzutage viele Auszeichnungen gibt und diese für jedes Produkt gut sind, werden viele Wettbewerbe auf lokaler Ebene ausgetragen. Der Red Dot award ist international, dadurch ist er nicht nur sehr ansprechend für Designer, er stimuliert auch weltweit gutes Design.
red dot: Für mich ist die Auszeichnung „red dot: best of the best“ …
Ben van Berkel: Die beste.
red dot: Inwieweit glauben Sie, wird die Auszeichnung „red dot: best of the best“ Sie bzw. Ihr Unternehmen im globalen Markt unterstützen?
Ben van Berkel: Ich zweifle nicht dran, dass die Auszeichnung Red Dot uns im Markt unterstützen wird, aber ich hoffe auch, dass das Stück auch weiterhin seinem Namen gerecht wird. Wir haben den Namen MYchair gewählt, weil die Menschen, die die Prototypen sahen, auch in den frühen Phasen individuelle Vorstellungen davon hatten, wie und wo sie den Stuhl in ihrem Leben nutzen würden. Es entstand ein beinahe sofort einsetzendes Gefühl des „Besitzens“, das mich faszinierte.
Natürlich ist es grundlegend, das Produkt zu verkaufen, aber für mich war die Reaktion der Menschen, die sich in diesem Stuhl sahen, ihn ausprobieren wollten und sich die Möglichkeiten in ihrer eigenen Umgebung vorstellten, sehr zufriedenstellend. Ich hoffe, dass dieses Möbelstück auch weiterhin auf diese persönliche Art funktioniert und das Individuum widerspiegelt – das es dann vielleicht kauft.
red dot: Was hat Sie zu Ihrem Produkt inspiriert und was ist das Besondere daran?
Ben van Berkel: Ursprünglich war MYchair ein Design, das ich mir während eines Projekts für Ferienwohnungen vorgestellt hatte, oder ein Stuhl, den man am besten im Freien benutzt – auf dem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten, an einem Platz, an dem man dem Alltag etwas entflieht. Aber dann entwickelte sich dieses Konzept zu einem Stuhl, der es dem Benutzer ermöglicht, diese Momente der Einkehr in seinem Heim und im Alltag zu erleben. Ich hoffe, dass MYchair zu dieser Möglichkeit zur Erholung vom Alltag wird.
red dot: Welche besonderen Herausforderungen traten bei der Realisierung Ihres Produkts auf?
Ben van Berkel: Es gab während der Entwicklung eine Reihe von Herausforderungen, sowohl technische als auch konzeptionelle. Mein ursprüngliches Ziel war das Gestalten eines sehr bildhauerischen Stuhls, eines Objekts, das je nach Blickpunkt unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten bietet, und das Element der Reflexion war eindeutig gegeben. Ich hatte die Reflexion als eher schwereloses Element gesehen, aber während des Designvorgangs wurde deutlich, dass der Stuhl robuster und substanzieller werden und trotzdem in den Details sehr fein sein musste, um die Reflexionsqualitäten wiederzugeben.
Diese Augenblicke, in denen man sein eigenes Denken überdenken muss, sind vielleicht die größten Herausforderungen im Designvorgang.
red dot: Welche Designphilosophien beeinflussen Ihre Arbeit?
Ben van Berkel: Ich beobachte gern, wie Musiker ihre Schüler lehren. Eine Methode ist es, das eigene Spiel zu verbessern, indem man einfach Musik anhört. Im Bereich Design tendieren wir dazu, Designstrategien übermäßig zu intellektualisieren. In letzter Zeit sehe ich jedoch Design, das die Zusammenstellung und das Wiedergeben der Visionen und Ideen direkter zeigt. Es interessiert mich, Design durch einen organischen Prozess zu schaffen, im Gegensatz zu einer eher linearen oder linguistischen Methode.





