Anno 1404 (Offline Game)

„Wenn Don Quixote in die falsche Zeit geboren ist, kann ihn nur Sancho Pansa in seinem Rittertum bestätigen.“ Anhand dieser bekannten Romanfiguren beschreiben die Soziologen Alfred Schütz und Thomas Luckmann das Ausgeliefertsein des Menschen an zeitliche Zusammenhänge. Alle Situationen, in denen wir uns befinden, haben ihre festgelegte historische Abfolge und sind in die „Fortdauer der Weltzeit“ eingebettet – tagtäglich leben wir in ihren Grenzen, die unser Handeln und Erleben bestimmen. Die Faszination von Computerspielen liegt sicherlich auch darin, dass sie ein Erleben abseits dieses „gebundenen“ Handelns ermöglichen. In dem Offline-Game „Anno 1404“ gestaltet der Nutzer seine eigene Welt des 15. Jahrhunderts. In einem Szenario mit großer Spieltiefe erbaut er ganze Metropolen und Landschaften, deren Monumente wie der Kaiserdom den Eindruck von Größe noch verstärken. Ein interessanter Aspekt der Konzeption dieses Spiels ist der Umgang mit historischen Vorlagen. So war es gerade nicht die Intention, die Städte, Dörfer und ihre Umgebungen möglichst authentisch und realitätsnah wiederzugeben. Sie entsprechen stattdessen nur einem Bild der überlieferten Geschichte – und der Spieler ist es nun, der sich diese Epoche so erschafft, wie sie hätte sein und aussehen können. Mit einer detailreichen Inszenierung des Stadtlebens wird dennoch der Anspruch an eine glaubwürdige Spielwelt realisiert.