Porsche-Design schlägt Wellen

Designer in den USA entwerfen außergewöhnlichen Seifenkisten-Renner

Ein antriebsfreies Rennfahrzeug, das jedoch nur wenig Ähnlichkeit mit den Seifenkisten-Flitzern traditioneller Bauart hat, erhält derzeit im amerikanischen Porsche-Styling-Studio den letzten Schliff.

 

Angeregt durch die populärste Freizeitbeschäftigung der US-Jugend zwischen Los Angeles und San Diego, warf das junge Designer-Team die gültigen Lehren vom Seifenkistenbau über Bord und kreierte statt des normalen zigarrenförmigen Vehikels auf vier Rädern, zwischen denen der Fahrer kauert, ein Surfbrett auf nur drei Rädern.

Das Porsche-Soapboard (zu deutsch Waschbrett und eine Wortkombination aus dem englischen ‘soapbox’ für Seifenkiste und ‘surf board’) soll sein Renndebut auf dem diesjährigen “Gravity Car Derby Festival 2003“ im kalifornischen Irvine feiern und wird dabei schon aufgrund des ausgefallenen Designs hohe Wellen schlagen. Die landesweit bekannte  Wohltätigkeitsorganisation für amerikanische Waisenkinder, “America Works for Kids“, ist Initiator und Ausrichter dieser traditionellen Veranstaltung, die am 23. August stattfindet und wieder Tausende von Seifenkistenfans anlocken wird. Mit den Eintrittsgeldern und dem tatkräftigen Engagement der lokalen Geschäftswelt wird die Veranstaltung wie jedes Jahr finanziert und so einigen hundert Waisenkindern ein ganz besonderes Erlebnis geboten: Sie dürfen für einen Tag Mitglied eines Rennteams werden. Die Porsche-Stylisten verstehen deshalb ihr Soapboard nicht als Marketinginstrument, sondern als Mittel zum guten Zweck, das für sie darüber hinaus auch noch die Chance geboten hat, etwas Neues und Spannendes auszuprobieren.

Das Porsche-Board soll in der freien Klasse der so genannten Designer Vorzeige-Renner antreten und dort auf die Seifenkisten einiger namhafter Designstudios der europäischen und japanischen Autoindustrie treffen, die alle südlich von Los Angeles angesiedelt sind. Aber egal, ob der erste Ausflug aufs seifenglatte Rennparkett einen Sieg oder eine Bauchlandung beschert, es bleibt dennoch ein erfolgreicher Tag für die Waisenkinder. Denn das Porsche-Board wird nach der Veranstaltung in einer groß angelegten Werbeaktion zusammen mit den anderen Design-Rennern beim Internet-Auktionator ebay versteigert. Der gesamte Erlös kommt der Wohltätigkeitsorganisation “America Works for Kids“ zugute .

Ein Großteil der Spannung am Renntag beruht auf der Regel, dass vorab keinem der jungen Piloten ein Platz in einem der Seifenkistenrenner zugeteilt werden darf, sondern diese erst am Rennmorgen ausgelost werden. “Das größte Kopfzerbrechen machte uns die Tatsache, dass wir bis zum Start nicht wissen, wer unser Fahrzeug steuern wird,” meint denn auch Projektleiter Martin Meade, der in seiner Freizeit ein begeisterter Surfer ist. Da die Fahrer zwischen sieben und zwölf Jahre alt sein dürfen, können die in Frage kommenden Größen- und Gewichtsunterschiede erheblich und für den Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein. Die Antwort auf dieses Problem war ebenso offensichtlich wie genial einfach: Wie beim Surfen schlüpft der Fahrer des Soapboards in einen Spezial-Anzug aus dehnbarem Neopren, der gleichzeitig auch als komplette Fahrzeugverkleidung dient. Darin kann sich jedes Kind, egal ob Riese oder Zwerg, sicher und bequem zurecht legen. Wird dann der Reißverschluss über dem Körper des Fahrers zugezogen, bildet er eine komplette Einheit mit dem Fahrzeug und das Rennen über die knapp 200 Meter lange Gefällstrecke kann losgehen.

Aber nicht nur das neue Konzept und das außergewöhnliche Aussehen machen das Porsche-Soapboard bisher einzigartig. Verglichen mit einer gewöhnlichen Seifenkiste setzt sich das Board aus den feinsten Hightech-Materialien zusammen, die von Porsche-Styling – ganz im Sinne der guten Sache – kostenlos zur Verfügung gestellt, getestet und zum siegfähigen Renner kombiniert wurden. Die Speichenräder sind beispielsweise aerodynamisch verfeinert und haben Reifen mit dem geringstmöglichem Rollwiderstand aufgezogen. Dadurch kann auch eine von einem Rennrad abgeleitete Handbremse eingebaut werden, was ein erheblicher Fortschritt und ein deutlicher Sicherheitsgewinn gegenüber den teilweise heute noch üblichen “Asphaltschaber“-Bremssystemen aus Holz bedeutet. Als Chassis dient ein Monocoque aus Karbonfaser, das durch einen Kern aus Wabenmaterial noch weiter versteift wurde. Die Windschutzscheibe aus vakuumgepresstem Acryl leitet die Luftströmung aerodynamisch geschickt am bäuchlings liegenden Fahrer vorbei nach hinten. Pure Seifenkisten-Tradition kommt im Lenksystem zum Ausdruck, das aus einer gewöhnlichen Fahrrad-Lenkstange besteht. Den aerodynamischen Feinschliff erkennt man jedoch an den voll verkleideten Griffen, die darüber hinaus auch zur Erhöhung der Sicherheit beitragen.

Porsche Styling, mit Sitz in Huntington Beach (US-Bundesstaat Kalifornien), ist Teil von Porsche Engineering Services in Troy, Michigan, dem nordamerikanischen Arm der Porsche Engineering Group. Die Porsche Engineering Group hat ihre Zentrale in Weissach und koordiniert und verantwortet von dort aus sämtliche weltweiten Kundenentwicklungsaktivitäten des Stuttgarter Unternehmens. Porsche ist der einzige Automobilhersteller, der Fahrzeugherstellern und Zulieferern und auch anderen Industriesektoren technisches Know-how in Entwicklung und Produkt anbietet. Und dies mit erheblichem Erfolg seit der Gründung des ersten Konstruktionsbüros durch Ferdinand Porsche vor über siebzig Jahren.

Wegen der Bedeutung und der spezifischen Anforderungen des nordamerikanischen Marktes eröffnete Porsche 1991 ein Büro für Kundenentwicklungsprojekte im Mittleren Westen. Mehr als zehn Jahre später ist der US-Ableger von Porsche Engineering ein bei der amerikanischen Automobilindustrie anerkannter Spezialist für die Entwicklung von Pkw- und Nfz-Aufbauten. 1998 wurde  in Huntington Beach Porsche Styling gegründet, um längerfristig einen Finger direkt am Trendpuls des für Porsche so wichtigen US-Marktes zu haben. Im dortigen Studio arbeitet heute ein Design-Team von 17 internationalen Stilisten und Modelleuren mit Erfolg an den unterschiedlichsten Industrie-Designaufträgen. Und wenn Not am Mann ist, kann es stets auf die Ressourcen des zentralen Styling-Studios im Forschungs- und Entwicklungszentrums der Porsche AG in Weissach zurückgreifen.

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