Sergio Pininfarina




Werbung aus dem Jahre 1930




Der "Cisitalia 202 GT" wurde 1954 als erstes Auto in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen




Concept Car "Metrocubo", 1999: Ein Stadtauto mit Hybridantrieb, dessen sehr niedriger Boden es ermöglicht, auf 2,5 Metern Länge bequem 5 Personen unterzubringen




Daewoo Nubira, 2002




Ferrari, 2000




Ferrari 612 Scaglietti, 2004





Pininfarina Extra entwirft unter anderem Küchengeräte: Lavazza Blue, 2004



Sergio Pininfarina wurde bei der Übergabe des "Radius" am 5. Juli von seinem Sohn Paolo vertreten


19/06 2004:

red dot: design team of the year 2004


Mobilität in ihrer schönster Form

 

Von der kleinen und feinen Karosseriewerkstatt zur internationalen Unternehmensgruppe für Automobildesign: Die Geschichte des Turiner Familienunternehmens Pininfarina ist außergewöhnlich.

 

Einmalige Verschmelzung von Ästhetik und Konstruktion

Das Automobildesign und die Produktion kleinerer Serien nehmen bis heute den größten Stellenwert bei Pininfarina ein. Darüber hinaus gestaltet das Designunternehmen Nutzfahrzeuge, Flugzeuge, Yachten, Möbel und Accessoires. Battista Pinin Farina, der Gründer des Unternehmens, verstand Design schon sehr früh als ein professionelles Geschäft. Sich selbst sah er als Schöpfer und gleichzeitig als Ingenieur neuer Formen. "Durch die Verbindung von Konstruktion und Ästhetik gelingt es Pininfarina immer wieder, branchenspezifische Standards zu setzen und zugleich wirtschaftliche Plausibilität in die Arbeit zu bringen", so Prof. Dr. Peter Zec über das diesjährige Siegerteam. Die kontinuierliche Erfolgsgeschichte sei beispiellos in der Designwelt. Deswegen fiel die Entscheidung auf das Designteam Pininfarina, das noch heute von der Familie geleitet wird.

 

Die Anfänge

Battista Farina wurde Ende des 19. Jahrhunderts als zehntes von elf Kindern geboren, was ihm den Spitznamen "Pinin", piemontesisch für "der Kleine", einbrachte. Er ging in der Karosseriewerkstatt seines Bruders Giovanni in die Lehre und reiste 1921 nach Amerika, um die Fließbänder der Fordwerke in Detroit zu studieren. 1930 gründete er die S.A. Carozzeria Pinin Farina und machte sich einen Namen als Karosseriebauer. So entstanden unter anderem der Alfa Romeo Pescara, der Lancia Aprilia Aerodinamica und der Cisitalia 202 GT, der mit seinen in den Fahrzeugkörper integrierten Stoßstangen und innovativen Formen so außergewöhnlich war, dass er kurz darauf als erstes Auto in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen wurde. Pinin Farina widmete sich dem Entwurf und der Entwicklung von Einzelmodellen, die von Großherstellern übernommen werden konnten. Höchste technische und ästhetische Ansprüche ziehen sich seit den Anfängen wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte: Pinin Farina bewies, dass die ästhetische Komponente auch für die Massenproduktion wichtig ist, und wurde dadurch zum Mitbegründer des italienischen Automobildesigns. Letztendlich wurde die Reputation des Designhauses so groß, dass Italiens früherer Staatspräsident Giovanni Gronchi per Dekret den Spitznamen "Pinin" anerkannte und erlaubte, Farinas Nachnamen in Pininfarina zu ändern.

 

Stil aus Tradition

1950 trat Sergio Pininfarina, Battistas Sohn, in das Unternehmen ein, begleitete die erste größere eigene Produktion – Alfa Romeo Giulietta in einer Stückzahl von 27.000 – und nahm die räumliche Trennung der Gestaltung der Automobile von der Fertigung vor. Bis heute existiert der Grundsatz Pininfarinas, die Distanz zwischen dem schöpferischen Akt und der Produktion zu wahren. 1957 übernahm Sergio Pininfarina die Geschäftsführung. Auch andere Designbereiche neben der Automobilgestaltung wurden nun erschlossen und Pininfarina Extra gegründet. Das Tochterunternehmen gestaltet Produkte wie Leuchten, Möbel und Accessoires. Heute hat die gesamte Unternehmensgruppe ca. 2.500 Mitarbeiter und bietet den Kunden sowohl die Designentwicklung als auch die Produktion kompletter Fahrzeuge oder Fahrzeugteile. Chuck Jordan, ehemaliger Designchef bei General Motors, über Sergio Pininfarina: "Als Dirigent eines großen Orchesters bestimmt Sergio Takt, Rhythmus und Interpretation. Seine Philosophie und seine Persönlichkeit spiegeln sich in jeder Pininfarina-Schöpfung wider, und das beweist die fortdauernde Qualität der Entwürfe seiner Firma."

 

Herausragendes Design als roter Faden

Die Modelle des traditionsreichen Unternehmens zeichnen sich über die Jahre hinweg durch ein gleichbleibend hochwertiges Design aus. Pininfarina ist immer noch als unabhängige Designschmiede für die unterschiedlichsten internationalen Automobilhersteller tätig. Bisher zählen dazu Peugeot, Lancia, Fiat, Nash, Alfa Romeo, General Motors, Bentley, Rolls Royce, Honda, Hyundai, Hafei, Mitsubishi und Daewoo.

 

In erster Linie wird Pininfarina aber mit Ferrari in Zusammenhang gebracht. Das erste Zusammentreffen von Battista Pinin Farina und Enzo Ferrari im Jahre 1951 ist heute gewissermaßen legendär. Man traf sich auf neutralem Boden, näherte sich vorsichtig an – und stellte laut den Memoiren Battista Pinin Farinas fest, dass "beide eine gewisse Bodenständigkeit ohne halbe Sachen" liebten. Enzo Ferrari bemerkte über die Kooperation später: "Meine Ehe mit der Firma Pinin Farina wird noch lange halten. Sie dauert jetzt schon 15 Jahre. Ich erinnere mich daran, wie Pinin staunte, als ich mich ihm öffnete, und wie ich staunte, als er sich mir öffnete. Schlagartig war klar, dass der eine eine schöne und berühmte Frau suchte, um sie einzukleiden, und der andere einen Schneider der Weltklasse, um sich Gewänder anfertigen zu lassen." Insgesamt entstanden mehr als 80 Modelle für Ferrari, die Maßstäbe setzten und ihresgleichen suchten.

 

Die Erforschung des Machbaren

Im Laufe der Jahrzehnte wurden bei Pininfarina außerdem über 60 innovative "Concept Cars" und Prototypen als Wegbereiter der technischen und ästhetischen Entwicklung des Automobils entworfen. Auch solche, die die Grenzen von Formen, technischen Lösungen und Materialien ausloteten und erforschten. So entstand beispielsweise der "Ethos" aus dem Jahre 1992, das erste Concept Car aus der "Ethos"-Trilogie, ein sportliches und gleichzeitig ökologisch orientierter Spider, dessen Schadstoffausstoß gegen Null ging, oder der "Metrocubo" aus dem Jahr 1999, ein geräumiges Stadtauto mit Hybridantrieb.

 

Der "Radius"

Sergio Pininfarina wurde am 5. Juli 2004 bei der Ehrung zum red dot: design team of the year 2004 von seinem Sohn Paolo vertreten. Überreicht wurde der Wanderpokal "Radius" vom Gewinner des Vorjahres, dem Nokia Designteam.

 



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