Teil der Red Dot-Jury 2017: Gordon Bruce
v.l.n.r.: Prof. Ken Nah, Gordon Bruce und Hideshi Hamaguchi
Jedes Produkt wird individuell evaluiert.

15.02.2017

„Gut gestaltete Produkte entstehen, wenn alle wichtigen Probleme gelöst sind“: im Gespräch mit Red Dot-Juror Gordon Bruce

Das Herz des Red Dot Award: Product Design ist die Jury. Rund 40 anerkannte Experten aus der ganzen Welt sichern mit ihrem Fachwissen das hohe Qualitätsniveau des Wettbewerbs und damit die Aussagekraft des Red Dot-Siegels. In Kürze werden sie wieder zusammenkommen, um in einem mehrtägigen Evaluationsprozess jede einzelne Einreichung zu testen, darüber zu diskutieren und zu bewerten. Teil des Expertengremiums ist 2017 erneut Gordon Bruce, der um die Bedeutung guten Designs für den Erfolg eines Produkts weiß: „Mehr und mehr Unternehmen beginnen zu verstehen, dass eine gut durchdachte Gestaltung nicht nur realisierbar, sondern notwendig ist, um wettbewerbsfähig zu sein.“

Gordon Bruce ist Inhaber der Gordon Bruce Design LLC und seit mittlerweile 40 Jahren als Designberater für zahlreiche multinationale Unternehmen in Europa, Asien und den USA tätig. Er arbeitete bereits an einer Reihe von Produkten, Inneneinrichtungen und Fahrzeugen – von Flugzeugen über Computer bis hin zu medizinischem Equipment und Möbeln. Von 1991 bis 1994 war Gordon Bruce beratender Vizepräsident des Kioto-Programms am Art Center College of Design sowie von 1995 bis 1999 Vorsitzender für Produktdesign beim Innovative Design Lab of Samsung (IDS) in Seoul, Korea. Im Jahr 2003 war er wesentlich daran beteiligt, das Büro von Porsche Design in Nordamerika zu errichten. Gordon Bruce ist Gastprofessor an zahlreichen Universitäten in den USA und in China und als Buchautor sowie Publizist tätig. Kürzlich erhielt er vom Art Center College of Design den Lifetime Achievement Award. Im Gespräch mit Red Dot verriet der Experte unter anderem, was gutes Design ausmacht.

Red Dot: Was unterscheidet gutes von schlechtem Produktdesign?
Gordon Bruce:
Gut gestaltete Produkte entstehen, wenn alle wichtigen Probleme gelöst sind, die das Produkt befähigen, dem Benutzer auf die komfortabelste und natürlichste Weise entgegenzukommen und gleichzeitig Aufgaben und Ziele mit guten Ergebnissen so effektiv und effizient wie möglich zu erreichen.

Wie würden Sie Ihre Tätigkeit als Designer beschreiben?
Ich beginne immer damit, mich zu fragen: Was sind die zentralen Leistungen, die das Designkonzept erzielen muss, und wie bewerkstellige ich es, die Aufgabe auf den Nutzer zuzuschneiden und zu verhindern, dass der Nutzer eventuelle Mängel am Konzept ausgleichen muss?

Welche Entwicklungen im Produktdesign würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Dass die Designlehre überdacht, umgestaltet und verbessert wird. In manchen Bereichen sind Fähigkeiten, die für ein gutes Urteilsvermögen notwendig sind, zugunsten technologischer Zweckdienlichkeiten ausgemustert worden.