Who's Who in Design

The Leading Designers of the World
Volume 3

Ein Kompendium zeitgenössischer Designgrößen wie dieses zusammenzustellen, ist eine gleichermaßen interessante wie schwierige Aufgabe, denn unser Anspruch an dieses Buch war es, in ihm nicht nur die einem breiten Publikum bekannten, namhaften „Designstars“ zusammenzutragen, sondern – und hierin besteht die eigentliche Herausforderung – auch die „stillen“ Designer mit aufzunehmen, das heißt solche Designer, die ihre Kreativität entweder in den Dienst eines einzigen Unternehmens stellen und in In-house-Designteams großartige Arbeit leisten, oder solche, die zwar für die unterschiedlichsten Auftraggeber immer wieder hervorragende Produkte gestalten, selbst aber lieber im Hintergrund bleiben. Doch eben diese Persönlichkeiten und Teams mit ihrer Arbeit vorzustellen, ist uns ein besonderes Anliegen, denn sie tragen maßgeblich dazu bei, unsere Lebenswelt zu gestalten, nicht nur die gegenwärtige, sondern auch die zukünftige.

Schöpfer der Produktwelten

Der Anteil der Designer an der Gestaltung unserer Lebens- und Arbeitswelten kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Es ist eine Tatsache, dass Design die materielle Welt in den vergangenen 85 Jahren in ebenso starkem Maße geformt hat wie die Technik. Während die Technik neue Konzepte, neue Materialien und neue Systeme hervorgebracht hat, sind es Design und Architektur, die diese Entdeckungen begreifbar und akzeptierbar machen und sie durch Kommunikation vorantreiben.

Designer spielen bei der Gestaltung unserer Zukunft also eine tragende Rolle: Sie werfen einen Blick auf die Welt, wie sie ist, und denken sie weiter. Im Grunde genommen ist heute – technisch gesehen – fast alles möglich. Allein, es fehlt an Ideen für visionäre Anwendungen neuer Techniken. Das war vor ein paar Jahrzehnten noch grundlegend anders. Die technischen Möglichkeiten bestimmten die Produktwelt. Viel wurde gedacht, wenig konnte direkt umgesetzt werden. Heute kommt es weitgehend darauf an, was wir uns vorstellen können. Denn was vorstellbar ist, ist zumeist auch machbar. Hierin liegen große Chancen für Designer, auch wenn sich die Ideen früher oder später an ihrer Realisierbarkeit messen lassen müssen, denn: „Alle Ideen sind herausfordernd, weil man dafür die richtigen Bedingungen und Kriterien benötigt; etwa den richtigen Kunden oder die richtige Marke, die richtige Technologie oder Herstellungsweise, die richtige Location oder den richtigen Ort, das richtige Milieu, den richtigen Zeitgeist, und eben die richtige Idee. Eine Idee ist aber nichts, wenn sie sich nicht manifestiert.“ (Karim Rashid)

Die Macht des Faktischen

Diesen Herausforderungen einerseits und diesen Einschränkungen andererseits muss sich der Designer immer wieder aufs Neue stellen. Denn jenseits aller Kreativität ist der Designer bei seiner täglichen Arbeit in der Regel doch der Macht des Faktischen unterworfen. Im ständigen Dialog mit seinem Auftraggeber, mit Marketingleuten oder Ingenieuren muss er bei seinem Gestaltungsprozess die unterschiedlichsten Vorgaben, Erwartungen und Ansprüche an ein Produkt oder eine Arbeit auf einen Nenner bringen. Eine schwierige Aufgabe angesichts der Tatsache, dass schon Designer und Auftraggeber bei der Arbeit an ein und demselben Produkt unterschiedliche Schwerpunkte setzen und verschiedene Ziele verfolgen. Ziel des Designers ist es, ein Produkt möglichst gut zu gestalten. Das gute Design ist Ziel seiner Arbeit. Für den Auftraggeber jedoch muss es in letzter Instanz immer um den Verkaufserfolg gehen. Gutes Design ist für ihn lediglich Mittel zum Zwecke wirtschaftlichen Erfolgs. Daraus ergeben sich auch zwangsläufig die Einschränkungen, mit denen er den Gestalter konfrontieren wird: die Entwicklungs- und Fertigungskosten, die streng budgetiert sind, DIN-Normen und das Corporate Design des Unternehmens, zielgruppenspezifische Anforderungen wie Display- oder Fontgrößen etc. pp. Der größte Feind der Kreativität ist gerade das Dogma des Bestehenden. Auch zu eng und streng gefasste Regeln und Rahmenbedingungen lassen nicht genügend Raum für Kreativität. Immer wieder kommt es vor, dass Unternehmen ihre Produkte nach strengen Richtlinien entwerfen, um möglichen Risiken aus dem Weg zu gehen. Langfristig lässt sich so jedoch Erfolg nicht garantieren. Es gilt, in dem Spannungsfeld zwischen Denkbarem und letztlich innerhalb der vom Auftraggeber oder der Realität gesetzten Grenzen das Bestmögliche zu realisieren.

Dafür ist es erforderlich, alles Bestehende immer wieder von neuem in Frage zu stellen. Darin liegt zugleich die Haupttriebkraft für ein permanentes Streben nach Erneuerung im Design. Diese Motivation wird jedoch längst nicht von allen Unternehmen verspürt. Nur die besten einer jeweiligen Branche lassen sich dadurch vorantreiben, was schließlich zu deutlich wahrnehmbaren Unterscheidungen zwischen Wettbewerbern führt. Während die einen in ihrem Gestaltungswillen und Innovationsstreben unaufhaltsam voranschreiten, warten die meisten anderen Wettbewerber ab, in welche Richtung sich Gestaltungstrends und -standards entwickeln, um dann auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Wenn sich die Verhältnisse jedoch schneller ändern, als es vorauszusehen war, haben die Zögerer letztendlich aber doch das Nachsehen.

Positionierung zwischen Kultur und Wirtschaft

Hier ist der Designer gefragt, der im besten Sinne ein „Schöpfer“ unserer gegenwärtigen und künftigen Lebenswelt ist, andererseits aber trotz dieser Schlüsselrolle häufig zum bloßen Zulieferer degradiert wird, der ein paar nette Formen zum Endprodukt beisteuert. Das liegt auch darin begründet, dass es immer noch vielen Designern schwer fällt, den Wert von Design zu kommunizieren und sich innerhalb der Wirtschaftswelt zu behaupten. Gerade in Europa wird zudem nach wie vor häufig der kulturelle und gesellschaftliche Wert von Design betont. Dass mit gutem Design auch bessere Geschäfte möglich sind, wird dabei zwar nicht gänzlich verschwiegen, jedoch nicht immer deutlich herausgestellt. Sowohl vielen Unternehmern und Managern als auch zahlreichen Designern fällt es nach wie vor schwer, Design als professionelles Geschäft zu verstehen und zu betreiben. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass Designer zwar auch die kulturelle und soziale Bedeutung von Design kommunizieren, insbesondere aber die wirtschaftliche Relevanz von Design in den Mittelpunkt stellen, um die Unternehmen, die ihr tägliches Handeln durch Design qualifizieren, mit innovativen Strategien und nützlichen Instrumenten vertraut zu machen.

Die eigentliche Herausforderung für den Gestalter besteht also darin, sich nicht nur als bloßer Dienstleister, sondern als Partner und Korrelativ der Wirtschaft zu positionieren, denn ein Designer, der sich so aufstellt, wird dadurch zum Verbündeten des Unternehmers, der dadurch seinerseits aufhört, nur reiner Auftraggeber zu sein. Der Erfolg des Designers ist dann immer auch der Erfolg des Unternehmens, mit dem er zusammenarbeitet. Nur gemeinsam wird man zum bestmöglichen Ergebnis für das jeweilige Projekt kommen können, zu einem Produkt, das den funktionalen und ästhetischen Ansprüchen beider gerecht wird und sich dadurch auch besser verkauft.

Geschmackssache Design

Davor stehen allerdings in vielen Fällen etliche Auseinandersetzungen mit dem Auftraggeber, denn insbesondere die Entscheidung, ob ein Produkt unter ästhetischen Gesichtspunkten „gutes Design“ ist, kann zu großen Kontroversen führen. Eine Entscheidung über Funktionalität ist eben doch wesentlich leichter zu treffen als eine ästhetische Entscheidung, die immer subjektiv sein muss. Ein wenig verobjektiviert werden kann sie letztlich nur dadurch, dass mehrere Menschen in ihrem Urteil über ein Design übereinstimmen. Aus diesem Grunde versuchen viele Hersteller über Marktforschung und Nutzerbefragungen schon im Vorfeld einer Produktentwicklung herauszufinden, in welche Richtung das Design gehen könnte. Eine Methode, die durchaus ihre Berechtigung hat, die einem aber auch keine endgültige Sicherheit geben kann, wie das Beispiel eines Herstellers für Unterhaltungselektronik anschaulich zeigt, der bei einer Zielgruppenbefragung wissen wollte, ob das Gehäuse seines neuen Ghettoblasters schwarz oder rot werden solle. Die befragte Gruppe tendierte überwiegend zu rot. Letztlich verkaufte sich jedoch nur das schwarze Modell. Ein häufiges Phänomen – oft wissen die Käufer zwar nicht, was sie wollen, bei der Kaufentscheidung wissen sie jedoch sehr genau, was sie nicht wollen. Wer dies übersieht, läuft Gefahr, an Kunden vorbei zu produzieren und auf seiner Produktion sitzen zu bleiben. Erfolgreiche Unternehmen versuchen deshalb, ihre Produkte aus dem Verständnis ihrer Kunden heraus zu entwickeln. Sie wissen, dass es keinen Sinn macht, sich im Design nur selbst verwirklichen zu wollen. Denn schließlich kommt es immer darauf an, dass Produkte auch einen entsprechenden Absatz finden. Gutes Design schuldet Erfolg. Über den Erfolg aber entscheidet letztendlich immer der Kunde.

Gerade weil es prinzipiell unmöglich ist, optimale Entscheidungen im Design zu treffen, ist es wichtig, dass die Motivation zur Gestaltung nicht nachlässt. Optimale Entscheidungen sind in Designfragen deshalb nicht möglich, da diesbezüglich keine exakten Berechnungen in vereinfachten Modellen durchgeführt werden können. Aus diesem Grund können immer wieder nur befriedigende Entscheidungen getroffen werden. Befriedigend ist eine Entscheidung dann, wenn sie der Lösung eines Formproblems in einer tatsächlich gegebenen Lebenssituation am nächsten kommt.

Doch es gibt noch einen anderen Weg, Designentscheidungen nachträglich bewerten zu lassen: die Designwettbewerbe. Hier setzen sich ausgewiesene Experten mit den Produkten und Arbeiten auseinander und sind in der Lage, ein recht objektives Urteil zu fällen, denn es ist losgelöst vom Entscheidungsfindungsprozess zwischen Designer und Auftraggeber. Eine solche Designauszeichnung kann dem Designer daher auch im Nachhinein helfen, seine Gestaltung zu rechtfertigen.

Letztlich ist und bleibt die Arbeit des Designers jedoch ein Balanceakt, den die Designer und Teams, die wir Ihnen in diesem Buch vorstellen, immer wieder aufs Neue bravourös zu bewältigen wissen. Sie schaffen es immer wieder, Produkte zu gestalten, die uns noch überraschen und in Erstaunen versetzen können.

Das Besondere der Arbeit des Designers besteht darin, die Welt im Einzelnen und im Detail immer wieder neu zu erfinden. Auf diese Weise trägt der Designer einen ganz entscheidenden Anteil am permanenten Wandel von Leben und Gesellschaft. Es sind nicht die großen, allumfassenden Konzepte, wie sie in besonderem Maße in der Politik entworfen werden, sondern die kleinen Problemlösungen am konkreten Gegenstand, die im Design das Neue bewirken. Bisweilen kann sogar die Gestaltung eines einzelnen neuen Produktes den gewohnten Alltag revolutionieren, wie es sonst nur mit grundsätzlichen politischen Maßnahmen möglich ist.

Die „Leading Designers of the World“ übernehmen mit ihrer Kreativität und ihrem Schaffen eine avantgardistische Vorbildfunktion. Dabei setzen sie gestalterische Maßstäbe und Standards sowohl für Nachwuchsdesigner als auch für Unternehmer und Konsumenten. Was wäre unsere Welt und unser Leben ohne sie?

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