Die Trophäe „Plagiarius“, ein schwarz lackierter Gartenzwerg
Professor Rido Busse
1. Preis 2006
"Sonderpreis für eine Fälschung" 2004
Der "Sonderpreis für Serientäter" wurde 2003 der Fa. China Tuhsu Zhejiang Tea I/E Corp, Hangzhou, China für die 11 Plagiate der Fa. Koziol >>ideas for friends GmbH, Erbach verliehen
Mit einer Präsentation tatsächlicher Plagiate im direkten Vergleich mit den Originalen wird das Problem der Produktpiraterie anschaulich verdeutlicht.

30.08.2006

Innovation versus Imitation: Plagiarius-Ausstellung im red dot design museum

Vom 26. August bis zum 17. Dezember 2006 zeigt das red dot design museum in einer kleinen Sonderausstellung Plagiate und Fälschungen, die zusammen mit dem Original ausgestellt werden. Die Ausstellung ist ein Teil des alljährlich verliehenen Negativpreises „Plagiarius“ , der im Jahr 1977 von Professor Rido Busse ins Leben gerufen wurde. Damals selbst von diesem Problem betroffen, kam Busse die Idee zu diesem Preis, der die Skrupellosigkeit und Ideenarmut von Nachahmern ins öffentliche Bewusstsein rücken soll. Ein Museum, das die Sammlung der Aktion Plagiarius e.V. aus den letzten drei Jahrzehnten zeigt, wird im Herbst 2006 in Solingen eröffnet.

 

Im Jahr 1977, als Professor Busse auf dem Stand eines Herstellers aus Hong Kong ein exaktes Plagiat der von ihm entworfenen Brief/Diätwaage 8600 der Firma Soehnle-Waagen entdeckte – angeboten zu einem Sechstel des Originalpreises und natürlich auch in deutlich schlechterer Qualität - beschloss er, durch die Vergabe eines Negativpreises und dessen Bekanntmachung, die Öffentlichkeit auf diesen Misstand aufmerksam zu machen und sie über die volkswirtschaftlichen Schäden aufzuklären.

Produkt- und Markenpiraterie haben heute, knapp dreißig Jahre nachdem der Plagiarius-Preis ins Leben gerufen wurde, ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Fast acht Prozent des Welthandels entfallen mittlerweile auf gefälschte Produkte. Der volkswirtschaftliche Schaden liegt bei 200-300 Milliarden Euro pro Jahr, Tendenz steigend. Das Internet gilt dabei als der wichtigste Vertriebskanal. Plagiate und Fälschungen ziehen sich durch alle denkbaren Produktsparten. Auch red dot blieb von der Produktpiraterie nicht verschont: Im Jahr 2003 überraschte eine unerwartet auf dem chinesischen Markt erschienene originalgetreue Kopie des von Professor Dr. Peter Zec herausgegebenen „International Yearbook Communication Design 2002/2003“ die Geschäftsführung des Design Zentrums Nordrhein Westfalen.

Immer rücksichtsloser kupfern die Produktpiraten Ideen erfolgreicher Unternehmen ab und präsentieren sie als eigene Leistung. Vor allem im asiatischen Raum ist die westliche Vorstellung von geistigem Eigentum nach wie vor nicht etabliert. In China gilt es traditionell als ehrenhaft, Meister zu kopieren. Doch nicht mehr nur Asiaten sind Meister der Kopie, zunehmend auch Europäer und Amerikaner wissen die leicht verdiente sprichwörtlich goldene Nase zu schätzen.

Als Symbol für die enormen Gewinne, die sich die Plagiatoren auf Kosten Anderer verdienen, trägt auch die Trophäe „Plagiarius“, ein schwarz lackierter, handelsüblicher Gartenzwerg Nr. 917 der Firma Heissner, eine goldene Nase. Die brilliante PR-Idee der Aktion Plagiarius e.V. hat mittlerweile eine beachtliche Medienwirkung erzielt und das öffentliche Bewusstsein für die Problematik gestärkt. Die abschreckende Wirkung des Negativpreises auf Nachahmer hat zur Folge, dass Plagiatoren der öffentlichen Blamage zu entgehen versuchen, indem sie sich nicht selten mit dem Originalhersteller einigen, und im Idealfall die Nachahmungen vom Markt nehmen. Die Verleihung des Negativpreises findet jährlich auf der Frankfurter „Ambiente“ im Rahmen einer Pressekonferenz statt.

Das red dot design museum zeigt in der Sonderausstellung „Plagiarius - Innovation vs. Imitation“ vom 26. August bis zum 17. Dezember 2006 Originale und Fälschungen bekannter Produkte, die bereits mit dem „Plagiarius“ ausgezeichnet wurden. Mit einer Präsentation tatsächlicher Plagiate im direkten Vergleich mit den Originalen wird das Problem der Produktpiraterie anschaulich verdeutlicht.

Weitere Informationen zur Aktion Plagiarius e.V. sowie zum Wettbewerb gibt es unter www.plagiarius.com.