Prof. Dr. Peter Zec, Initiator und CEO des Red Dot Awards
Prof. Dr. Peter Zec gibt den Juroren eine Einführung in das Jurierungsverfahren
Einblick in die „heiligen Hallen“: hier findet die Red Dot Jurierung statt
Die intensive Begutachtung und der kritische Austausch miteinander ermöglichen ein fundiertes abschließendes Urteil
Die Jury des Red Dot Award: Communication Design umfasst Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und Kulturkreise
Für die Aufgabe als Juror kann man sich nicht bewerben und Red Dot beruft ausschließlich unabhängige Gestalter und Designexperten
Anfassen erwünscht: Alle Einreichungen werden von den Juroren vor Ort begutachtet
Die Juroren werden entsprechend ihrer Expertise in Dreierteams gruppiert und den Wettbewerbskategorien zugeordnet

10.04.2018

So vergibt die Jury die Auszeichnungen: hinter den Kulissen mit Red Dot-CEO Prof. Dr. Peter Zec

Aktuell läuft die Ausschreibung für den Red Dot Award: Communication Design 2018. Bis 29. Mai können Gestalter, Agenturen und Unternehmen aus aller Welt ihre Arbeiten während der regulären Anmeldephase einreichen. Sämtliche Wettbewerbsbeiträge werden von der Red Dot Jury in Hinblick auf ihre gestalterische Leistung und Kreativität bewertet. Wie die Experten zu einer Entscheidung kommen, verrät Professor Dr. Peter Zec, Initiator und CEO des Red Dot Awards.

Juroren verpflichten sich dem „Code of Honour“
Um der Internationalität und Vielfalt der Wettbewerbsbeiträge gerecht zu werden, umfasst die Jury des Red Dot Award: Communication Design Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und Kulturkreise. Das Gremium besteht aus mehr als 20 Mitgliedern, wobei die Zusammensetzung jährlich wechselt. Für die Aufgabe als Juror kann man sich nicht bewerben und Red Dot beruft ausschließlich unabhängige Gestalter und Designexperten. Sie verpflichten sich einem „Code of Honour“. Dieser besagt, dass die Mitglieder der Red Dot Jury keine eigenen oder kooperativen Projekte in Kategorien einreichen dürfen, in denen sie selbst die Wettbewerbsbeiträge bewerten.

„Das hört sich so selbstverständlich an. Ist es aber nicht“, erklärt Professor Dr. Peter Zec, Initiator und CEO des Red Dot Awards. Der Designexperte gibt zu bedenken: „In den meisten Wettbewerben kann man seine Arbeit selbst einreichen und wenn diese dann an der Reihe ist, geht man netterweise aus dem Raum und lässt die Kollegen darüber entscheiden. Welcher Juror würde dann dem Kollegen sagen wollen, dass seine Arbeit nicht ausgezeichnet wurde, wenn der wieder zurück kommt? Unser Ehrenkodex sorgt dafür, dass Interessenskonflikte vermieden werden.“

Drei Juroren sind ein Team
Die Juroren werden entsprechend ihrer Expertise in Dreierteams gruppiert und den Wettbewerbskategorien zugeordnet. Sie evaluieren sämtliche Einreichungen ohne Vorauswahl individuell und vor Ort. „Die Juroren sehen sich wirklich alle Arbeiten an; es wird nichts vorjuriert. Das ist eine harte Arbeit, wenn sie hier sind“, erläutert Peter Zec das mehrtägige Bewertungsverfahren, welches verschiedene Stadien durchläuft.

Vierstufiger Evaluierungsprozess
Zu Beginn der Jury Session haben die Juroren ausreichend Zeit, um sich einen Überblick über die Einreichungen in ihrer jeweiligen Kategorie zu verschaffen. „Wenn es Fragen gibt, steht unser Team zur Verfügung, das die Juroren unterstützt und gegebenenfalls auch bei einem Designer anruft und nachfragt“, erläutert der Red Dot-CEO.

Bei der Bewertung spielen verschiedene Kriterien eine Rolle, die je nach Art des Projekts variieren. Dazu zählen unter anderem Ästhetik, Konzept und Umsetzung, Originalität und Verständlichkeit. Sie bilden einen Orientierungsrahmen, den die Juroren mit ihrer Expertise und ihrem sozio-kulturellen Hintergrund individuell ausfüllen.

Die Entscheidung über die Vergabe der Auszeichnungen erfolgt im Austausch der Experten innerhalb einer Jury-Gruppe. Dabei stehen die Projekte nicht im direkten Vergleich zueinander, sondern werden einzeln auf ihre Gestaltungsqualität geprüft. Im ersten Durchgang entscheiden die Juroren, ob eine Arbeit weiterkommt oder sofort ausscheidet. „Die Regel lautet: Wenn eine der drei Stimmen für eine Arbeit ist, dann bleibt sie im Wettbewerb“, so Zec.

Um einen Red Dot zu erhalten, muss ein Projekt im nächsten Schritt, mindestens zwei Stimmen auf sich vereinen. Bei der Entscheidung über die Majorität „gibt es manchmal sehr, sehr heiße Debatten und Diskussionen“, weiß der Designexperte zu berichten. Dies spiegelt sich jährlich in den Wettbewerbsergebnissen: so wurden 2017 insgesamt nur rund 10 % aller Einreichungen ausgezeichnet. „Eine Arbeit wird nicht einfach durchgewunken“, erzählt Peter Zec von seinen Erlebnissen.

Die Juroren haben in der dritten Runde zudem die Möglichkeit, aus den Red Dot-prämierten Arbeiten solche Projekte auszuwählen, die einen Red Dot: Best of the Best verdienen. „Das ist eine Kann-Formulierung: Die Jury kann pro Kategorie bis zu drei Arbeiten für diese Auszeichnung auswählen, muss es aber nicht“, erläutert Peter Zec die Vergabe der Auszeichnung für sehr hohe Designqualität, die einstimmig erfolgen muss.

Im finalen Schritt kann in jeder der 17 Kategorien der Red Dot: Grand Prix vergeben werden. Er ist die höchste Einzelauszeichnung im Red Dot Award: Communication Design und geht an die beste Arbeit einer Kategorie. 2017 wurden nur fünf Projekte – 0,06 % aller Einreichungen – mit diesem Preis gewürdigt. „Die Jury ist verdammt sparsam damit umgegangen. Das bedeutet nicht, dass die Arbeiten alle schlecht waren. Es bedeutet vielmehr, dass unsere Juroren einen sehr hohen Anspruch haben“, sagt Zec.

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Die intensive Begutachtung und der kritische Austausch miteinander ermöglichen ein fundiertes abschließendes Urteil. Gestalter, Agenturen und Unternehmen, die ihre Arbeiten auf den Prüfstand und sich selbst dem Urteil der Red Dot Jury stellen möchten, können ihre Projekte bis spätestens 15. Juni zum Red Dot Award: Communication Design 2018 einreichen.

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