Viele der ausgezeichneten Produkte des Red Dot Award: Product Design 2018 wurden aus recycelten Materialien hergestellt
Red Dot-Juror Dr. Sascha Peters
Die KUNGSBACKA Küchenfront von IKEA
Wohnaccessoires der Serie „tresta“
Limex-Visitenkarten aus Kalkstein
Das Isoliermaterial Smawarm
Red Dot-Juror Steve Leung

24.05.2018

Einsatz von innovativen, nachhaltigen Materialien im Red Dot Award: Product Design 2018

Nachhaltigkeit nimmt in der Produktentwicklung einen immer größeren Stellenwert ein. Mehr und mehr Designer setzen auf recycelte Materialien, um Ressourcen zu schonen und Energie zu sparen. Auch Red Dot-Juror Dr. Sascha Peters, Gründer und Inhaber der Material- und Technologieagentur HAUTE INNOVATION, erkennt diesen Trend und lobt die Kreativität der Designer, neue, innovative Materialien einzusetzen: „Reststoffe aus der Weinproduktion, Algen, Stroh, Orangenschalen, Ananasfasern, Fruchtreste – all diese Werkstoffe werden heute als Material verwendet und vor Jahren hätte noch niemand daran gedacht.“ Im diesjährigen Red Dot Award: Product Design bewiesen die Designer, dass aus recycelten Werkstoffen ausgezeichnete Produkte hergestellt werden können, die modern, optisch ansprechend und intelligent gestaltet sind.

KUNGSBACKA Küchenfront – Nachhaltiges Küchendesign  
Das schwedische Möbelhaus IKEA gestaltete die aus Recycling-Holz bestehende Küchenfront „KUNGSBACKA“, die mit einer Kunststofffolie aus recycelten PET-Flaschen beschichtet ist. Somit kann für die Herstellung der Front auf das Abholzen von Bäumen sowie auf die Verwendung neuer Kunststoffe aus Erdöl verzichtet werden. Für die Herstellung einer Schranktür werden 25 PET-Flaschen benötigt, während eine gesamte Küche 1.000 Flaschen entspricht.

Das anthrazitgrau der Kunststofffolie verleiht der Küchenfront einen modernen Look. Durch die abgeschrägte Kante an der Oberseite ergibt sich eine horizontale Linie, sodass ein interessantes Zusammenspiel von Reflexionen und Schatten entsteht.  

Tresta – Wohnaccessoires aus Kelterabfall
Die bei der Weinherstellung anfallenden Rückstände bleiben zum Großteil ungenutzt. Aus dem sogenannten Trester entwickelte die Designerin Katharina Hölz die Wohnaccessoires der Serie „tresta“. Der Kelterabfall wird mit natürlichen Bindemitteln kombiniert, woraus ein neuer Werkstoff entsteht, der sich für die Herstellung einer breiten Palette an Erzeugnissen eignet und zudem biologisch abbaubar ist.

Je nach Art des Bindemittels entstehen verschiedene Produkte, die optisch, haptisch und olfaktorisch überzeugen. Durch die Kombination von Trester und Bienenwachs entstehen beispielsweise ein Weinkühler und eine Deckenleuchte, die aufeinander gesetzt an die moseltypische Schlegelflasche erinnern. Die widerstandsfähige Verbindung von Trester und Pulpe hingegen eignet sich gut für die Herstellung von Verpackungen. Zusammen mit Carnaubawachs entsteht ein hochrobustes, formstabiles und schalldämmendes Material, welches ideal für die Herstellung von Reliefkacheln ist. Auch beim 3D-Druck ist Trester eine Alternative zu Plastik. Um die Druckfähigkeit zu testen, wurden prototypisch Urnen entwickelt.

Limex – Ressourcenschonende Visitenkarten
In Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen TBM stellte der Designer Yoshinaka Ono der Agentur Dentsu Visitenkarten aus Limex her. Bei dem Material Limex handelt es sich um eine nachhaltige Alternative zu Papier, die aus Kalkstein gewonnen wird. Im Vergleich zur herkömmlichen Papierherstellung benötigt es weniger Wasser und Zellstoff. Dies sichert den Bestand der natürlichen Ressourcen und verringert die Produktions- und Rohstoffkosten. Die Visitenkarten dienen dazu, das Material weltweit zu vermarkten, da sie von Person zu Person verteilt werden. Die auf der Verpackung abgebildeten Linien zeigen an, dass für die Herstellung einer Schachtel Visitenkarten, im Vergleich zu Karten aus Papier, 10 Liter Wasser gespart werden.  

Smawarm – Recyceltes Isoliermaterial
Die Unternehmen Creative Tech Textile und Hans Global Textile haben das Isoliermaterial „Smawarm“ für Bekleidung aus gebrauchten PET-Flaschen und Austernschalen hergestellt. Der Aufbau des Materials ist so beschaffen, dass sich außen gleichermaßen robuste wie weiche Hohlfasern befinden, während die dichtere mittlere Schicht die Isolierung maximiert. Daraus ergibt sich eine geringe Leitfähigkeit, wodurch die Wärmespeicherung gesteigert wird. Daneben bietet das Material noch weitere Vorteile: Es ist antistatisch, antibakteriell, schnell trocknend, geruchshemmend, milbenfrei und mit einem guten Wärme-Gewichts-Verhältnis ausgestattet.

Nachhaltige Materialien – ein Bereich mit Zukunft
Diese mit dem Red Dot prämierten Produkte zeigen bereits, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Produktdesign zunimmt. Auch Red Dot-Juror Steve Leung, ein führender Architekt, Interior- und Produktdesigner aus Hong Kong, betonte während der Jurierung, dass der Begriff Umweltfreundlichkeit heutzutage in aller Munde ist. Für die Zukunft wünscht er sich jedoch, dass noch mehr Gestalter umweltbewusste Produkte entwickeln und das Thema im Design stärker verankern. Welche Innovationen uns im Bereich Materialien künftig überraschen werden, bleibt abzuwarten.   

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