Konzept für ein flaches Notebook und ein aufklappbares Mobiltelefon
Tönis Käo in der Ausstellung "Design als Experiment" im Red Dot Design Museum Essen (2016)
Blick auf Tönis Käos haartrockner-Konzepte und seinen Siemens-Staubsauger VS5
Volles Haus: Vernissage zu Ehren von Tönis Käo
Prof. Dr. Peter Zec, Tönis Käo, nach der Eröffnungsrede zur Ausstellung
Ausstellungseröffnung im Red Dot Design Museum mit Objekten aus dem Lebenswerk von Tönis Käo
Tönis Käo, Peter Zec: "Unseren Lifestyle geprägt wie wenige andere Designer"

11.07.2016

Einflussreicher Technologie-Designer: Tönis Käo ist gestorben

Oft verschwindet die Bekanntheit eines Designers hinter dem großen Erfolg seiner Produkte. Tönis Käo war da keine Ausnahme. Der 1940 in Saaremaa (Estland) geborene Wahl-Münchener hat Konzepte erdacht, deren Realisierungen Jahrzehnte später möglich und äußerst populär wurden. Und er hat Produkte gestaltet, mit denen wohl jeder in Deutschland lebende Mensch über 40 in Berührung kam – auch wenn der Name des visionären Designers erst viel später zum Begriff wurde.

Zu den faszinierendsten Entwürfen seines Schaffens zählen zwei Produktideen. Der eine lässt deutlich die Form eines aufklappbaren Mobiltelefons erkennen. Der andere weckt sofort die Assoziation „ultraflacher Laptop“. Tatsächlich hat Tönis Käo die Basisformen dieser beiden Alltagsprodukte definiert und als ideal empfohlen, als beide technisch noch nicht möglich waren: Die Entwürfe stammen aus dem Jahr 1982 und wurden erst rund 15 Jahre später als funktionierende Technikprodukte verwirklicht.

Fortschrittliche Fernsprecher

Von Tönis Käo stammen aber auch erfolgreiche Serienprodukte, wie etwa das Tastentelefon der Deutschen Bundespost von 1975. Ob in grün, beige, dunkelblau oder weinrot: Es gab nur wenige westdeutsche Haushalte ohne diesen weit verbreiteten Fernsprecher. Bereits 1972 kreierte er das erste Telefon, dessen Wählvorrichtung im Hörer integriert war. Dieses damals noch futuristisch anmutende Konzept wurde zum Standard in allen modernen Mobiltelefonen.

In der Designabteilung von Siemens war Tönis Käo von 1969 bis 1991 angestellt, seit 1983 als deren Leiter. Zu seinen Erfolgsmodellen unter der Marke Siemens gehört etwa der VS5, ein kompakter, markanter Staubsauer von 1978. Im Anschluss an seine aktive Zeit bei Siemens lehrte er bis 2005 als Professor für Industrial Design an der Bergischen Universität Wuppertal.

„Design als Experiment“

Im Vorwort zu einer ihm gewidmeten Ausstellung des Estonian Museum of Applied Art and Design von 2014 nannte Peter Zec das Arbeitskonzept von Tönis Käo „Design als Experiment“. Die Überschrift des Vorworts wurde zum Titel der gesamten Ausstellung: „Disain kui eksperiment“. Im Januar 2016 übernahm das Red Dot Design Museum Essen die Ausstellung und eröffnete „Tõnis Käo: ‚Design als Experiment‘, Retrospektive“ zu Ehren des einflussreichen Technologie-Designers.

Zur Eröffnung am 21. Januar 2016 sprachen unter anderem NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin, Prof. Kurt Mehnert, Rektor der Folkwang Universität der Künste, Kai Lobjakas, die bereits die estnische Ausstellung kuratiert hatte, Prof. Anke Bernotat, die als ehemalige Käo-Studentin das Ausstellungsprojekt geleitet hatte sowie Prof. Dr. Peter Zec, Initiator des Red Dot Design Awards und Hausherr im Red Dot Design Museum auf dem Welterbe Zollverein. Die Ausstellung lief unter großem Besucherinteresse bis zum 3. April 2016.

„Die Zukunft gesehen und mitgestaltet“

„Die Diskrepanz im Design zwischen den großen Stars, die jeder kennt, und ihrer eigentlichen Lebensleistung, ist vielfach groß. Tönis Käo war nie auf den Titelseiten der Hochglanz-Zeitschriften. Dabei hat er mit seinen progressiven Entwürfen unseren Lifestyle geprägt wie wenige andere Designer. Er hat definiert, wie die Dinge sein sollten, auf visionäre Art und Weise die Zukunft gesehen und diese für uns mitgestaltet.“ – so Peter Zec zum Tode von Tönis Käo.

Tönis Käo ist am 3. Juli 2016 im Alter von 76 Jahren verstorben.

Weitere Informationen:

 » „Design als Experiment“: Ausstellung über Tõnis Käo im Red Dot Design Museum Essen

» Ausstellungsinformation auf der Website des Red Dot Design Museums und Download der Ausstellungsbroschüre